Afghanistan

Nahrungsmittelkrise im Norden Afghanistans: Ärzte ohne Grenzen ruft Geberländer zu sofortiger Hilfe auf

Mazar-I-Sharif/Berlin, 25. Februar 2002. Die Nahrungsmittelkrise im Norden Afghanistans nimmt erschreckende Ausmaße an. Laut einem Bericht der internationalen Organisation Ärzte ohne Grenzen nimmt die Zahl der unterernährten Kinder besonders in den abgelegenen Gebieten zu. Die Organisation untersuchte 1.290 Familien im Vertriebenenlager Sar-I-Pol sowie im Süden der Provinz Faryab und weist darauf hin, dass immer mehr Kinder in Ernährungszentren versorgt werden müssen. Ärzte ohne Grenzen ruft zum wiederholten Male Geberländer und internationale Organisationen auf, eine angemessene Nahrungsmittelverteilung sicherzustellen. Nur schnelle, gemeinsame Hilfe kann laut Ärzte ohne Grenzen eine Katastrophe verhindern.

"Die Versprechen der internationalen Gemeinschaft, der Geberländer und internationalen Organisationen, sich für die afghanische Bevölkerung einzusetzen, werden in den abgelegenen Gebieten kaum umgesetzt", so Christopher Stokes. "Im Norden Afghanistans bahnt sich eine neue Katastrophe an, die nur durch sofortige und uneingeschränkte Hilfe abgewendet werden kann."

Derzeit versorgen die Mitarbeiter der Organisation mehr unterernährte Kinder in den Ernährungszentren als vor dem 11. September 2001. Viele von ihnen leiden an schwerer Unterernährung. Der Bericht macht deutlich, dass die Menge und Qualität der vorhandenen Nahrungsmittel nicht ausreichen. Seit Beginn diesen Jahres sind zudem einige Fälle der Vitaminmangelerkrankung Skorbut aufgetreten. Darüber hinaus mussten zwei Drittel der befragten Familien ihren Besitz verkaufen, um Nahrungsmittel zu erhalten. Nur ein Drittel konnte ihr Land behalten. Von ihnen haben jedoch nur drei Prozent begonnen, ihre Felder zu bestellen. Nur 4,5 Prozent besitzen Saatgut.

Bisher wurde nur ein Bruchteil der benötigten Nahrungsmittel zur Verfügung gestellt. "Wir kennen die Ursachen des Problems nicht. Doch wir wissen, dass die Nahrungsmittel, die die Menschen zum Überleben brauchen, die abgelegenen Gebiete im Norden des Landes kaum erreichen. Geberländer und internationale Organisationen müssen dringend zusammen arbeiten und ihre Zusagen für die Bevölkerung Afghanistans einhalten", sagte Christopher Stokes, Programmdirektor von Ärzte ohne Grenzen.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00