Bangladesch

Myanmar-Flüchtlingen in Bangladesch droht erneut Vertreibung

Berlin/Dhaka, 12. März 2007. Die Regierung in Bangladesch hat Hunderte Flüchtlingsfamilien aus Myanmar aufgefordert, ihre notdürftigen Unterkünfte in provisorischen Lagern zu verlassen. Nach ihrer Flucht, wiederholten Umsiedlungen und vielen Jahren unter erbärmlichen Lebensbedingungen, sind die Familien damit wieder ohne jeden Zufluchtsort. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die die Menschen seit Jahren medizinisch betreut, fordert die Regierung in Bangladesch und die internationale Gemeinschaft auf, sich des Problems anzunehmen.

Im Zuge landesweiter Räumungen illegaler Behausungen entlang der Straßen hat die Regierung beschlossen, auch Teile eines provisorischen Flüchtlingslagers zwischen Teknaf und Cox Bazar im Südosten des Landes aufzulösen. Außerdem wollen die Behörden Familien aus dem Lager vertreiben, die nicht auf ihren Flüchtlingslisten gemeldet sind. In dem als "Tal-Camp" bekannten Lager leben mehr als 6.000 Männer, Frauen und Kinder auf engstem Raum. Nahrungsmittel und Trinkwasser sind knapp, der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist stark eingeschränkt.

Die muslimischen Flüchtlinge der Rohingya stammen ursprünglich aus Rakhine, einem Bundestaat im Westen Myanmars (Birmas). Nach eigenen Aussagen waren sie dort zahlreichen Diskriminierungen ausgesetzt: von Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit über die Beschlagnahmung ihres Landes bis zu Zwangsarbeit. Ohne Rechte im eigenen Land und ohne Flüchtlingsschutz in Bangladesch leben sie seit vielen Jahren in extrem unsicheren Verhältnissen.

Im April 2006 hatte Ärzte ohne Grenzen eine Untersuchung im Tal-Camp durchgeführt. Das Ergebnis ist besorgniserregend: Wegen der prekären Lebensbedingungen leiden viele Bewohner unter Durchfall, Atemwegserkrankungen und Unterernährung. Ihre armseligen Baracken stehen so dicht beieinander, dass es keinen Raum gibt, etwas anzubauen. In der Regenzeit steht das Wasser in rund 80 Prozent der Hütten.

Ärzte ohne Grenzen eröffnete in der Nähe des Lagers eine Klinik und ein Ernährungszentrum. Dort werden täglich mehr als 40 Kinder behandelt. In die Klinik kommen täglich über 100 Menschen. Beide Einrichtungen stehen neben den Flüchtlingen aus dem Tal-Camp auch der einheimischen Bevölkerung offen. Doch Unterernährung und Krankheiten sind unter den Bewohnern des Lagers deutlich häufiger.

"Es ist noch nicht klar, was nun mit den Menschen passieren wird", sagt Frido Herinckx, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Bangladesch. "Aber es wird Zeit, dass sich die Regierung in Bangladesch und die internationale Gemeinschaft des Problems annehmen. Die Situation besteht seit 15 Jahren und sie wird nicht dadurch verschwinden, dass man die Menschen wegschickt. Die Flüchtlinge brauchen einen Ort, an dem sie sich niederlassen können. Ihre jetzige Situation ist menschenunwürdig."

Weitere Informationen: Pressestelle, Matthias Bertsch, Svenja Kühnel, Tel.: 030-22 33 77 00