Meningitis in Afrika: Ärzte ohne Grenzen fordert mehr finanzielle Mittel für neuen Impfstoff

Genf/Berlin, 25. September 2003. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen warnt davor, dass eine bevorstehende Meningitis-Epidemie das Leben Tausender Menschen in afrikanischen Ländern bedroht. Die Organisation ruft internationale Geldgeber auf, innerhalb der nächsten zwei Wochen genügend finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Produktion eines neuen Meningitis-Impfstoffes zu sichern. Die Epidemie wird Ende 2003 oder Anfang 2004 erwartet, und Ärzte ohne Grenzen hat bislang als einzige Organisation Gelder in Höhe von einer Million Euro zum Kauf von Impfstoffen zur Verfügung gestellt.

Ärzte ohne Grenzen führt seit zehn Jahren Impfkampagnen gegen Meningitis durch. Jedes Jahr impfen die Mitarbeiter drei bis fünf Millionen Menschen in afrikanischen Ländern gegen diese Krankheit.

Die Organisation ruft die Regierungen der Industrieländer auf, dringend die notwendigen Gelder zur Verfügung zu stellen, um die ausreichende Versorgung afrikanischer Länder mit einem wirksamen Meningitis-Impfstoff sicherzustellen.

Bislang hat Ärzte ohne Grenzen als einzige Organisation zugesichert, eine Million Impfdosen zu kaufen. "Die bevorstehende Epidemie kann nur abgewendet werden, wenn jetzt gehandelt wird", sagte Dr. Bernard Pécoul von Ärzte ohne Grenzen. "Wir haben bereits eine Million Euro bereitgestellt, doch es fehlen weitere fünf Millionen Euro. Wenn die anderen Geldgeber erst dann bezahlen, wenn die Epidemie ausgebrochen ist, kommt das Geld zu spät, um Menschenleben zu retten. Jetzt haben wir zwar einen wirksamen Impfstoff zu einem angemessenen Preis. Doch wo sind die Käufer?"

Auf entsprechende Anfragen der WHO und anderer Organisationen, wie Ärzte ohne Grenzen, erklärte sich GSK bereit, den neuen Impfstoff weiterhin zu produzieren und in afrikanischen Ländern zu einem reduzierten Preis (ein Euro pro Dosis) zur Verfügung zu stellen. Da die Herstellung drei Monate dauert, müssen bis Ende September sechs Millionen Impfdosen bestellt werden.

Im Februar 2002 war es in Burkina Faso erstmalig zum Ausbruch einer Meningitis-Epidemie gekommen, die durch Meningokokken des Serotyps W135 ausgelöst wurde. Mehr als 13.000 Menschen wurden infiziert, 1.500 von ihnen starben. Da zu diesem Zeitpunkt kein wirksamer und bezahlbarer Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung stand, entwickelte das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) nach Verhandlungen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Rekordzeit einen neuen Impfstoff (ACW135) für afrikanische Länder. Dieser konnte bei einem erneuten Meningitis-Ausbruch in Burkina Faso Anfang 2003 erfolgreich eingesetzt werden.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00