Mehr Kinder müssen geimpft und neue Impfstoffe günstiger werden - Ärzte ohne Grenzen fordert dringend notwendige Preisnachlässe

Berlin/Abu Dhabi, 23. April 2013. Am Vortag des Globalen Impf-Gipfels unter der Schirmherrschaft des UN-Generalsekretärs Ban Ki-Moon, von Bill Gates und dem Kronprinz von Abu Dhabi warnt Ärzte ohne Grenzen davor, dass hohe Preise für neue Impfstoffe in ärmeren Ländern dazu führen, Kinder in Zukunft nicht vollständig impfen zu können.

"Die Kosten für die Impfung eines Kindes sind im vergangenen Jahrzehnt um 2.700 Prozent gestiegen. Das darf so nicht bleiben", sagt Manica Balasegaram, Direktor der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. "Viele Länder, in denen wir arbeiten, werden in den nächsten Jahren finanzielle Hilfe zur Finanzierung von Impfungen verlieren. Wenn sich die Preise nicht ändern, müssen die Verantwortlichen dann entscheiden, gegen welche tödliche Krankheit ihre Kinder nicht geimpft werden."

Kostete es im Jahr 2001 noch 1,37 US-Dollar, ein Kind umfassend gegen sechs wichtige Krankheiten zu impfen, liegt der aktuelle Preis für elf Impfstoffe insgesamt bei 38,80 US-Dollar. Drei Viertel dieser Kosten machen zwei teure, neue Impfstoffe gegen Pneumokokken und Rotaviren aus. Produziert werden sie ausschließlich von Pfizer, GlaxoSmithKline (GSK) und Merck.

Jährlich impft Ärzte ohne Grenzen Millionen Menschen und setzt sich für die Einführung neuer Impfstoffe in ärmeren Ländern ein. Hierfür sind allerdings weitere Preissenkungen nötig. Bisher haben Verhandlungen zwischen Unternehmen und der weitgehend öffentlich finanzierten GAVI-Allianz nicht zu weiteren Preissenkungen für die neuen Impfstoffe geführt. Der Kern des Problems liegt aus Sicht von Ärzte ohne Grenzen bei der mangelnden Transparenz der Pharma-Unternehmen bei den Herstellungskosten und daran, dass die Konzerne versuchen hohe Gewinnmargen durchzusetzen. Die Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (GAVI) sollte dringend weitere Verhandlungen über die beiden neuesten und teuersten Impfstoffe anstreben; die Aufgabe von Pharmaunternehmen muss es sein GAVI bessere Angebote zu machen.

 "Unser Ziel ist es, mehr Kinder zu impfen", betont Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne bei Ärzte ohne Grenzen. "Dafür brauchen wir Preise, die nah an den Produktionskosten liegen. GAVI muss sich stärker dafür einsetzen, neue günstigere Produzenten zu fördern, damit die Preise sinken. Dies gilt besonders für die neuen, überteuerten Impfstoffe", erklärt Moldenhauer. Ein Kernproblem für die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen ist, dass Nichtregierungsorganisationen und humanitäre Akteure derzeit noch nicht einmal Zugang zu den unzureichenden und von GAVI ausgehandelten Preisnachlässen erhalten. Ärzte ohne Grenzen impft in seinen Projekten häufig Risikogruppen wie Flüchtlingskinder, HIV-positive Kinder und ältere ungeimpfte Kinder, die aus den Standardimpfprogrammen herausfallen. Deshalb rufen wir GAVI dazu auf, ihre vergünstigten Preise auch für humanitäre Akteure zugänglich zu machen.