Tschad

Malaria: Lebensrettende Therapien müssen mehr Patienten erreichen - Ärzte ohne Grenzen stellt aktuellen Malaria-Bericht vor

Johannesburg/Berlin, 30. September 2008. Wesentlich mehr Menschenleben könnten gerettet werden, wenn neue wirksame Strategien zur Bekämpfung von Malaria weitflächiger zum Einsatz kämen. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Bericht von Ärzte ohne Grenzen, der am Dienstag in Johannesburg (Südafrika) vorgestellt wurde. Der Bericht mit dem Titel "Full Prescription; better malaria treatment for more people, MSF's experience" beschreibt die Arbeit der Organisation in Sierra Leone, im Tschad und in Mali. Er zeigt, dass Todesfälle mit einfachen Therapien und diagnostischen Mitteln, die heutzutage verfügbar sind, verhindert werden könnten.

"Auch wenn sie noch immer unzureichend sind, stehen heute Gelder zur Bekämpfung von Malaria zur Verfügung", sagte Meinie Nicolai, Geschäftsführerin der belgischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen. "Es kommen neuere und wirksamere Medikamente auf den Markt, und es gibt Schnelltests, die die Diagnose innerhalb von fünfzehn Minuten bestätigen können." Dennoch haben in Sierra Leone zum Beispiel im vergangenen Jahr nur zwölf Prozent der Kinder mit Verdacht auf Malaria eine wirksame Behandlung erhalten. Die Gebühren, die Patienten in den ärmeren Ländern für eine Behandlung zahlen müssen, schrecken zahlreiche Betroffene ab.

Darüber hinaus sind einige ländliche Gemeinden sehr weit von Gesundheitseinrichtungen entfernt oder in der Regenzeit abgeschnitten. Hier hat sich der Einsatz von so genanntem Malaria-Personal in den Dörfern bewährt. In Mali, wo Ärzte ohne Grenzen sowohl in den Gesundheitszentren als auch in ländlichen Gebieten kostenlose Behandlung angeboten hat, konnte die Zahl der nachgewiesenen und behandelten Malaria-Fälle in einem Jahr verdreifacht werden. Es werden Schnelltests eingesetzt, die auch Laien mit einer Basisausbildung anwenden können. Wird Malaria nachgewiesen, gibt der Mitarbeiter dem Patienten kostenlos Medikamente. So ist die Qualität der Behandlung gewährleistet.

"Das Malaria-Personal kann die Kluft überall dort gut überbrücken, wo die Menschen keinen Zugang zu Gesundheitsstrukturen haben", sagt Christine Jamet, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen im Tschad. "Dadurch sollen die Behörden aber nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden, den Zugang zu Behandlung generell auszuweiten. Um eine adäquate medizinische Behandlung zu gewährleisten, sollten Malaria-Fälle systematisch durch einen Test bestätigt werden."

Derzeit empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), alle Kinder mit Fieber in Gebieten mit großer Malaria-Verbreitung mit Malaria-Medikamenten zu behandeln. Allerdings hat zum Beispiel in dem Hilfsprogramm in Bo in Sierra Leone der Einsatz von Schnelltests gezeigt, dass 30 bis 40 Prozent der Verdachtsfälle bei Kindern unter fünf Jahren negativ waren. Kommt der Test, wie von der WHO empfohlen, nicht zum Einsatz, bedeutet dies, dass viele Menschen gegen die falsche Krankheit behandelt und keine weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um den wahren Grund ihres Fiebers zu klären.

Wenn verfügbare Therapien und Diagnostika nicht bis zu ihnen vordringen, werden weiterhin viele Malaria-Patienten einen eigentlich vermeidbaren Tod sterben. Wichtig ist auch eine Weiterentwicklung der Behandlungs- und Diagnosemethoden. Hier sind aus der Sicht von Ärzte ohne Grenzen gerade die reicheren Länder wie z.B. Deutschland gefragt. Ärzte ohne Grenzen hat im April einen Report veröffentlicht, der zeigt, dass Deutschland 2007 nur neun Mio. Euro ausgegeben hat, um die Erforschung der Malaria zu fördern.

Weitere Informationen: Pressestelle, Svenja Kühnel , Tel: 030-22 33 77 00