Malaria: Ärzte ohne Grenzen begrüßt Markteinführung eines neuen Kombinationspräparats auf der Grundlage des Open-Source-Gedankens

Berlin, 01. März 2007. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen begrüßt die Markteinführung eines neuen, patientenfreundlichen und preiswerten Kombinationspräparats von Artesunat und Amodiaquin gegen Malaria. Das ASAQ genannte Präparat, das die Wirkstoffe von zwei Tabletten in einer vereinigt, ist das Ergebnis gemeinsamer Forschungen der Initiative für Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten (DNDi) und des Pharma-Konzerns Sanofi-Aventis. Es zeigt, dass die Entwicklung neuer Medikamente auch ohne Patentschutz möglich ist.

Kombinationspräparate auf der Basis des Wirkstoffs Artemisinin (ACTs) werden von der Weltgesundheitsorganisation WHO als Behandlung gegen Malaria empfohlen. Die lebensrettendenden Medikamente stehen allerdings nur in begrenztem Ausmaß zur Verfügung: 2006 wurden weltweit weniger als 80 Millionen Behandlungen durchgeführt, obwohl jedes Jahr mindestens 400 bis 500 Millionen Malariafälle diagnostiziert werden. Ärzte ohne Grenzen hat 2006 rund 1,7 Millionen Malariapatienten mit Artesunat und Amodiaquin behandelt - allerdings in Form separater Tabletten.

"Die Kombination beider Wirkstoffe in einer einzigen Tablette bedeutet eine enorme Verbesserung, weil es die Malariabehandlung für die Patienten viel leichter macht," erklärt Dr. Michel Queré, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen im Tschad. Dort hat die Hilfsorganisation 2006 fast 80.000 Malariapatienten behandelt. So müssen zum Beispiel Kinder bei einer 3-Tages-Therapie jetzt nur noch eine Pille täglich nehmen - anstatt vier wie bisher. Das erhöht die Einhaltung der Therapie und verringert das Risiko einer Medikamentenresistenz.

Die hohen Kosten von ACTs sind eines der Haupthindernisse, die einer größeren Verfügbarkeit der Präparate derzeit im Weg stehen. Eine Dosis des neuen Kombinationspräparats ASAQ wird für Kinder unter fünf Jahren weniger als 40 Eurocent und für ältere Kinder sowie Erwachsene weniger als 80 Eurocent kosten. Trotzdem werden weitere Preissenkungen notwendig sein, um die Behandlung überall bezahlbar zu machen.

ASAQ ist das erste Präparat, das von der Initiative DNDi auf den Markt gebracht wird. "Es beweist, dass in der medizinischen Forschung und Entwicklung ein neuer Ansatz möglich ist, der sich am Bedarf von Patienten in armen Ländern orientiert. Die Tatsache, dass dieses Medikament keinem Patentschutz unterliegt, macht es zu einem vielversprechenden Modell für zukünftige Forschung über vernachlässigte Krankheiten" so Christophe Fournier, internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen. Analog zum Open-Source-Gedanken kann jedes Pharmaunternehmen dieses Medikament kopieren. "Das wird einen Wettbewerb bei den Preisen und eine ausreichende Verfügbarkeit des Medikaments gewährleisten".

Ärzte ohne Grenzen wird mit dem Einsatz von ASAQ überall dort beginnen, wo die Kombination der Wirkstoffe Artesunat und Amodiaquin angebracht ist. Nach Artemether/Lumefantrin ist ASAQ das zweite Kombinationspräparat gegen Malaria, das zwei Tabletten in einer vereinigt. Weitere Kombinationen müssen noch entwickelt werden.

Die 2003 gegründete Drugs For Neglected Diseases Initiative (DNDi) ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, wirksame Arzneimittel gegen Krankheiten zu entwickeln, an denen vor allem Menschen in ärmeren Ländern leiden. Zu den Gründungsmitgliedern gehören neben Ärzte ohne Grenzen fünf weitere Institutionen aus Frankreich, Malaysia, Brasilien, Kenia und Indien.

ASAQ ist das erste von DNDi entwickelte Medikament. Im Rahmen von 22 Projekten versucht die DNDi-Initiative neue und bessere Medikamente für vernachlässigte Krankheiten wie Malaria, Leishmaniose, Schlafkrankheit und Chagas zu entwickeln.

Weitere Informationen: Pressestelle, Matthias Bertsch, 030-22 33 77 00