Libyen

Libyen: Ärzte ohne Grenzen ist äußerst besorgt über die Situation der Verwundeten und fordert den uneingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung

Genf / Berlin.  Während sich der Konflikt in Libyen weiter zuspitzt, ist die medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen äußerst besorgt über den Zustand der Verletzten, die inmitten der gewaltsamen Zusammenstöße gefangen sind. Die Organisation fordert den sofortigen und uneingeschränkten Zugang der Verwundeten zu medizinischer Hilfe, ungeachtet jeglicher politischer Interessen. 

In den letzten drei Wochen haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen, die an der tunesischen Grenze und in Bengasi stationiert sind, medizinisches Material an Gesundheitseinrichtungen in Libyen geliefert. Sie versuchen weiterhin in Gebiete im Westen des Landes zu gelangen, wo heftige Kämpfe wüten.

In einigen Konfliktgebieten, wie etwa Zawiyah und Misrata, sind viele Menschen von jeglicher Hilfe von außen abgeschnitten, während Berichten zufolge der medizinische Bedarf sowie der Mangel an Medikamenten und Hilfsgütern kritisch sind.

“Wir sind äußerst besorgt über den verwehrten Zugang zu medizinischer Versorgung und über den Zustand der Patienten in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen in von der Regierung kontrollierten Gebieten“, sagt Bruno Jochum, Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen.

Als medizinisch-humanitäre Nothilfeorganisation unterstreicht Ärzte ohne Grenzen nochmals die Wichtigkeit, effektiv auf die dringenden medizinischen Bedürfnisse der Menschen reagieren zu können, unabhängig ihrer Zugehörigkeit oder ihrer Herkunft.

“Unsere größte Herausforderung momentan ist, den sofortigen Zugang zu der von Gewalt betroffenen Bevölkerung in Libyen zu erhalten”, sagt Bruno Jochum weiter. „Obwohl immer noch heftige Kämpfe stattfinden, sehen unsere medizinischen Teams, die seit Wochen bewusst an der tunesischen Grenze in Ras Ajdir blockiert werden, keine Verletzten, die die Grenze überqueren dürfen. Es ist zwingend notwendig, dass die Menschen in den Kampfgebieten die Möglichkeit haben zu flüchten, um sichere Orte aufzusuchen – sowohl innerhalb wie auch außerhalb Libyens.“

Gemäß der medizinischen Ethik und des internationalen humanitären Rechts ist es absolut zwingend, dass alle Krieg führenden Parteien die Neutralität von medizinischen Einrichtungen, Fahrzeugen und Personal respektieren, denn das ist die einzige Möglichkeit, dass Patienten die dringend benötigte Hilfe erhalten.

Ärzte ohne Grenze unterstützt die Zivilbevölkerung nach wie vor mit der Lieferung von medizinischen Hilfsgütern nach Libyen. Seit das erste Team von Ärzte ohne Grenzen am 24. Februar in den Osten von Libyen einreisen konnte, wurden 22 Tonnen Material in die Gebiete geliefert, in denen der Bedarf am größten ist. Elf weitere Tonnen medizinisches Material können jederzeit in Gebiete geliefert werden, wo die fortwährenden Kämpfe zu Materialengpässen und zu einem erhöhten Bedarf führen.