Liberia

Liberia: Sicherheit von 60.000 Vertriebenen durch Kämpfe in Bong County bedroht

Monrovia/Berlin, 20. August 2003. Kämpfe in der Region Bong County, nordöstlich von Monrovia, bedrohen laut Ärzte ohne Grenzen die Sicherheit von rund 60.000 Vertriebenen. Sie leben in Vertriebenenlagern, die nur 45 Kilometer von der Frontlinie entfernt sind. Die Organisation kümmert sich um die medizinische Versorgung in den Lagern.

Zur Zeit arbeiten 23 internationale und 300 liberianische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Liberia. In Monrovia unterhält die Organisation zwei Notkliniken, neun Gesundheitszentren und drei Cholerastationen. Täglich werden 200 bis 400 Kinder gegen Masern geimpft, und Tanklastwagen versorgen die Vertriebenenlager in der Stadt mit 100.000 Liter Wasser täglich. Darüber hinaus leistet Ärzte ohne Grenzen Hilfe in drei Vertriebenenlagern in Bong County. Ein Gesundheitszentrum im Vertriebenenlager Plumcor im Norden Monrovias konnte wieder eröffnet werden.

In der vergangenen Woche hat Ärzte ohne Grenzen vier Erkundungstouren nach Tubmanburg in Bomi County, Bo Waterside in Grand Cape Mount County, Zwedru in Grand Gedeh County und Buchanan in Grand Bassa County durchgeführt. Diese Regionen sind seit Monaten von jeglicher humanitärer Hilfe abgeschnitten, und die Menschen haben weder Zugang zu medizinischer Versorgung noch ausreichend Nahrungsmitteln und Wasser. Ab heute wird die Organisation mit einer mobilen Klinik die medizinische Betreuung von etwa 14.000 Menschen in Tubmanburg sicherstellen. In Buchanan brauchen etwa 30.000 Vertriebene dringend Unterstützung. Doch die Sicherheitslage ist zu angespannt, um dort umfassende Hilfe leisten zu können.

Am 2. August hat Ärzte ohne Grenzen ein Ernährungszentrum im Lager Sasala eröffnet, in dem 150 schwer unterernährte Kinder versorgt werden. Jeden Tag kommen fünf bis zehn weitere hinzu. Außerdem hat die Organisation zweimal Nahrungsmittelrationen an etwa 4.000 Kinder ausgegeben. Nachdem es zu einem Choleraausbruch gekommen war, wurden in den letzten zwei Wochen mehr als 150 Patienten behandelt.

"Die Menschen in Bong County waren allein in den vergangenen zwei Jahren mindestens viermal gezwungen, vor Kämpfen in der Region zu fliehen. Sie sind aus Mangel an Nahrungsmitteln geschwächt und müssen jetzt erneut um ihre Sicherheit bangen", sagt Pierre Mendiharat, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Liberia. "Wenn die Kämpfe näher kommen, fürchten wir, dass es zu einer massiven Flucht von Zivilisten kommen wird." Seit Mitte Mai hat es aus Sicherheitsgründen keine Nahrungsmittelverteilungen mehr in den Lagern gegeben. Die Menschen leben von Kassawa-Wurzeln, die sie im umliegenden Buschland suchen.

Spenden: Bank für Sozialwirtschaft, BLZ: 370 205 00,
Kto: 97 0 97, Stichwort Westafrika

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Petra Meyer, Tel.: 030-22 33 77 00