Liberia

Liberia: Opfer sexueller Gewalt brauchen medizinische Hilfe

Monrovia/Berlin, 16. April 2008. Mit einer gemeinsamen Konferenz haben Ärzte ohne Grenzen und das liberianische Gesundheitsministerium am Mittwoch auf die Notwendigkeit der medizinischen Betreuung von Opfern sexueller Gewalt hingewiesen. "Im Moment haben in Liberia Opfer sexueller Gewalt nur wenig Möglichkeiten, medizinische Hilfe zu erhalten", sagte Mariano Lugli, Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen. "Es muss sichergestellt werden, dass es für die Betroffenen bei der Tragödie der Vergewaltigung bleibt. Eine weitere Tragödie, nämlich die, keinen Zugang zu essentieller medizinischer Betreuung zu haben, darf nicht hinzukommen."

In Liberia versorgen derzeit vier Gesundheitseinrichtungen Opfer sexueller Gewalt. Alle vier werden von Ärzte ohne Grenzen unterstützt. Von 2003 bis 2007 wurden in den Einrichtungen fast 6.500 Frauen, Männer und Kinder behandelt, die angaben, vergewaltigt worden zu sein. Gut 1.800 davon allein im vergangenen Jahr.

Der brutale 14-jährige Bürgerkrieg im Land ist seit fünf Jahren beendet. Liberia befindet sich in einer Übergangsphase. Ärzte ohne Grenzen plant, das Land bis Ende 2009 zu verlassen. Einige Projekte sollen geschlossen, andere übergeben werden. Damit die Opfer sexueller Gewalt auch künftig die dringend nötige medizinische Versorgung erhalten, muss das Gesundheitsministerium seine derzeitige Betreuung fortführen. Zusätzlich müssen weitere Anstrengungen unternommen werden.

Ein dezentraler Ansatz mit Einrichtungen im ganzen Land, die umfassende medizinische Hilfe bieten, würde den Gewaltopfern den Zugang zu einer auf sie abgestimmten Betreuung leichter machen. Dafür müssen mehr Einrichtungen in Monrovia und an anderen Orten Liberias mit den erforderlichen medizinischen Instrumenten und ausgebildetem Personal ausgestattet werden.

Um wirkungsvoll und verantwortungsvoll arbeiten zu können, braucht das medizinische Personal eine standardisierte Ausbildung. Außerdem ist ein standardisiertes medizinisches Protokoll notwendig. Medizinische Betreuung für Opfer sexueller Gewalt muss in Liberia Priorität haben.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1990 in Liberia. Während des 14-jährigen Bürgerkrieges haben die Mitarbeiter medizinische Notfallhilfe geleistet. Seit Unterzeichnung des Friedensabkommens im Jahr 2003 unterstützen sie die medizinischen Strukturen.

Weitere Informationen: Pressestelle, Svenja Kühnel, 030 - 22 33 77 00