Liberia

Liberia: Krankenhaus in Monrovia erneut evakuiert -Trotz Waffenstillstand flammen Kämpfe wieder auf

Monrovia, 25. Juni 2003. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen mussten Patienten und Personal das Redemption-Krankenhaus im Norden der Hauptstadt Monrovia verlassen. Nachdem die Kämpfe erneut diese Gegend der Stadt erreichten, hat Ärzte ohne Grenzen am Dienstag alle Patienten evakuiert. Neben der chirurgischen Abteilung des JFK-Hospitals war das Redemption-Krankenhaus die einzige Anlaufstelle für die Zivilbevölkerung, um medizinisch versorgt zu werden. Ärzte ohne Grenzen fordert die Konfliktparteien auf, die Rechte der Zivilbevölkerung zu respektieren und dafür zu sorgen, dass die Sicherheit der humanitären Helfer gewährleistet wird.

"Die Menschen hier sind bereits mehrmals durch die Hölle gegangen. Viele haben auf der Flucht vor den Kämpfen Familienmitglieder verloren. Andere sind auf ihrem Weg durch die Sümpfe ertrunken oder einfach nicht mehr herausgekommen. Und jetzt, wo sie uns am dringendsten brauchen, müssen wir unsere Hilfe aufgrund der Sicherheitslage erneut einschränken", beschreibt Christopher Stokes die verzweifelte Lage der Bevölkerung.

Einige Patienten aus dem Redemption-Krankenhaus werden in provisorischen Krankenstationen versorgt. Diese wurden auf dem Gelände eingerichtet, auf dem die Teams von Ärzte ohne Grenzen untergebracht sind. Dort können ambulante und stationäre Behandlungen durchgeführt werden.

Nachdem am 17. Juni in Ghana ein Waffenstillstand zwischen den LURD-Rebellen und der Regierung von Charles Taylor geschlossen wurde, konnte die humanitäre Hilfe in der Hauptstadt zunächst wieder ausgeweitet werden. Doch nur wenige Tage nach der Wiedereröffnung des Redemption-Krankenhaus musste es jetzt aufgrund der Sicherheitslage erneut geschlossen werden. Ärzte ohne Grenzen hatte dort eine Cholera-Isolierstation eingerichtet, in der 35 Menschen behandelt wurden. Zudem betreute die Organisation ein Ernährungszentrum für schwer unterernährte Kinder.

"Wegen der Kämpfe und der unsicheren Lage stehen wir jetzt ein zweites Mal innerhalb kürzester Zeit vor der Entscheidung, ob wir unsere Teams reduzieren", erklärt der für den Einsatz in Liberia zuständige Projektleiter Christopher Stokes. "Wir fühlen uns gegenüber der liberianischen Bevölkerung verantwortlich und möchten hier bleiben, um Hilfe zu leisten. Aber wir müssen uns auch eingestehen, dass unsere Möglichkeiten durch die angespannte Sicherheitslage zurzeit sehr begrenzt sind."

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Tel.: 030-22 33 77 00