Liberia

Liberia: Endlose Spirale von Gewalt und Vertreibung

Berlin, 23. Juli 2003. Angesichts der schweren Kämpfe und Plünderungen in der liberianischen Hauptstadt Monrovia berichtet die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, dass die Zahl verwundeter Zivilisten ansteigt. Allein am Montag haben die Mitarbeiter der Organisation 155 Patienten behandelt und 13 Todesfälle gezählt. Zum dritten Mal innerhalb von zwei Monaten sind Tausende Vertriebene erneut auf der Flucht vor den Kämpfen in der Hauptstadt. Ärzte ohne Grenzen veröffentlichte am Mittwoch einen Bericht mit Zeugenaussagen über die leidvollen Erfahrungen vieler Liberianer. Alle Konfliktparteien werden darin aufgefordert, die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung einzustellen.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1990 in Liberia. In Monrovia unterhält die Organisation zwei Notkliniken, chirurgische Einrichtungen und Ernährungszentren sowie acht Gesundheitsstationen und vier Cholera-Behandlungszentren. Zudem stellt sie die Wasserversorgung für die Vertriebenen in der Stadt sicher.

Laut Ärzte ohne Grenzen gibt es im ganzen Land kein einziges funktionierendes Krankenhaus mehr. Vor sechs Wochen hatten humanitäre Hilfsorganisationen noch Zugang zu einem Viertel des Landes, derzeit nur zu einem einzigen Stadtteil Monrovias. Die Mehrheit der Liberianer bleibt bei den Kämpfen sich selbst überlassen.

Der 28 Seiten umfassende Bericht "Liberian Stories" gibt Aufschluss über die bitteren Erfahrungen vieler Liberianer während des jahrelangen Krieges. Die Menschen berichten über willkürliche Gewalt, Plünderungen, Vergewaltigung, Zwangsrekrutierung und familiäre Trennungen. Ärzte ohne Grenzen ruft alle Konfliktparteien auf, Gewalttätigkeiten gegen Zivilisten einzustellen, ihnen eine sichere Flucht sowie den Zugang zu überlebensnotwendiger Hilfe zu garantieren. Auch Hilfsorganisationen benötigen freien Zugang zur Zivilbevölkerung. Zudem werden die Regierungen der Nachbarländer aufgefordert, die Grenzen für Flüchtlinge offen zu halten und ihnen angemessenen Schutz und Hilfe zu bieten.

"Jeden Tag hören wir von unseren Patienten entsetzliche Geschichten", erklärt die medizinische Koordinatorin Nathalie Civet in Monrovia. "Willkürliche Gewalt, Vergewaltigungen und Vertreibung gehören für diese Menschen zur Tagesordnung." Die derzeitigen Kämpfe in Monrovia verschlimmern die Situation erneut. In der Hauptstadt und in den Lagern außerhalb fehlen Nahrungsmittel und medizinische Hilfe. Die prekäre sanitäre Lage hat zudem zu einem Cholera-Ausbruch geführt. Darüber hinaus zeigen immer mehr Menschen Anzeichen von Unterernährung.

Spenden:
Bank für Sozialwirtschaft, BLZ: 370 205 00, Kto: 97 0 97, Stichwort Westafrika

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Petra Meyer, Tel.: 030-22 33 77 00