Liberia

Liberia: Bevölkerung flieht vor anhaltenden Kämpfen - Ärzte ohne Grenzen fordert Schutz und Hilfe für die Vertriebenen

New York/Berlin, 10. September 2003. In einer Anhörung vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wies die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am Dienstag auf die dramatische Situation hin, in der sich Hunderttausende Liberianer aufgrund der anhaltenden Kämpfe im Land befinden. Die Organisation fordert, dass alles getan werden muss, um die Zivilbevölkerung vor der Gewalt zu schützen und angemessene Hilfe zu leisten. In den vergangenen Tagen haben andauernde Kämpfe in Bong County nordöstlich der Hauptstadt Monrovia Zehntausende Menschen zur Flucht gezwungen.

"Auch wenn in der Hauptstadt zur Zeit nicht gekämpft wird, herrscht kein Frieden im Land", sagte Dr. Morten Rostrup, internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen, vor dem UN-Sicherheitsrat. "Ärzte ohne Grenzen ist besorgt, dass Regierungen, UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen über Frieden und Wiederaufbau sprechen, während Hunderttausende Liberianer noch immer von Kämpfen bedroht sind und dringend Schutz und Hilfe brauchen. Dadurch wird möglicherweise eine angemessene Reaktion auf die massiven Bedürfnisse der Bevölkerung verhindert."

Am Dienstag kam es zu Kämpfen in Kakata, rund 50 Kilometer außerhalb von Monrovia. Sie verhindern den Zugang zur Stadt und zum Vertriebenenlager Salala, nördlich von Kakata. Dort hatte Ärzte ohne Grenzen 250 schwer unterernährte Kinder behandelt sowie ein Gesundheitszentrum und ein Cholerabehandlungszentrum betreut. Derzeit hat die Organisationen keinen Zugang zu den Patienten. "Zehntausende Menschen sind auf ihrer Flucht von jeglicher Hilfe abgeschnitten", sagte Rostrup.

In der vergangenen Woche mussten mehr als 50.000 Vertriebene aus den Vertriebenenlagern in Maimu und Totota in Bong County sowie eine unbekannte Zahl von Dorfbewohnern fliehen. Unter ihnen waren auch Patienten von Ärzte ohne Grenzen. Die Vertriebenen berichten von Gewalt, die sie auf der Flucht erlebt haben: Sie wurden geschlagen, gefoltert, vergewaltigt und ausgeraubt.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1990 in Liberia tätig. 44 internationale und mehr als 300 liberianische Mitarbeiter betreuen derzeit zwei Krankenhäuser, elf Gesundheitszentren, zwei Ernährungszentren und drei Cholera-Behandlungszentren in Monrovia. Darüber hinaus unterhält die Organisation drei Gesundheitszentren in Vertriebenenlagern in Montserrado County und eine mobile Klinik in Bomi County. In Bong County sorgen die Teams in drei Vertriebenenlagern für die Gesundheits- und Wasserversorgung.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00