Liberia

Liberia: Ärzte ohne Grenzen übergibt letzte Krankenhäuser der Organisation an Gesundheitsministerium

Monrovia/Berlin, 25. Juni 2010. Nach 20 Jahren Präsenz in Liberia schließt die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen heute ihre letzten Krankenhäuser im Land und übergibt die medizinische Verantwortung dem dortigen Gesundheitsministerium. „Liberia war durch 14 Jahre Bürgerkrieg verwüstet und sein Gesundheitssystem völlig zerstört“, sagt Dhammika Perera, Landeskoordinator der Organisation in Liberia. „Die Übergabe ist ein wichtiger Meilenstein und symbolisiert, wie weit Liberia wieder selbst Verantwortung für die Gesundheit seiner Bevölkerung übernehmen kann.“ Ärzte ohne Grenzen bleibt im Land und wird ab Juli dieses Jahres das Gesundheitsministerium dabei unterstützen, Opfer sexueller Gewalt zu versorgen.

Ärzte ohne Grenzen hatte nach dem Kriegsende im Jahr 2003 und den Wahlen im Jahr 2005 nach und nach seine medizinischen Aktivitäten in 15 Landkreisen Liberias übergeben. Nun wird auch die Arbeit der zwei verbliebenen Krankenhäuser der Organisation in der Hauptstadt Monrovia und in Bushrod Island eingestellt. Hier behandelten die Mitarbeiter bislang jährlich mehr als 20.000 Frauen und Kinder kostenlos. Um die Übergabe möglichst reibungslos zu machen, hat das Team ein neues Krankenhaus gebaut, seine Aktivitäten dorthin transferiert und die Klinik dem Gesundheitsministerium gespendet. Zusätzlich wurden in Monrovias zentralem Krankenhaus 80 zusätzliche Betten in der Kinderstation bereitgestellt.

„Als eine Nothilfe-Organisation stellt Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe für Menschen in extremen Krisen bereit“, so Perera. „Da Liberia kontinuierlich stabiler wird, schrumpft unsere Rolle immer mehr, während die der Regierung wächst. Die große Herausforderung bleibt, den Bedürftigsten, den Frauen und Kindern, weiterhin kostenlose Versorgung zu garantieren. Dafür gibt es keine kostengünstige Lösung: Während Liberia sich wieder aufbaut, muss die internationale Gemeinschaft das Land mehr unterstützen. Wollen wir, dass eine kostenlose Behandlung für die Menschen Wirklichkeit wird, die nicht einmal Geld für ihr täglich Brot haben, brauchen wir eine nachhaltige Zusage der Geldgeber.“

Derzeit gibt es für die 3,6 Millionen Einwohner des Landes weniger als 100 Ärzte. In Monrovia, einer Stadt mit mehr als einer Million Bewohnern, stehen für Kinder nur wenig mehr als 250 Krankenhausbetten bereit.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1990 in Liberia.