Liberia

Liberia: Ärzte ohne Grenzen schickt 68 Tonnen Hilfsgüter nach Monrovia - Hunderttausende Zivilisten noch immer ohne Hilfe

Berlin, 1. August 2003. Zwei Charterflugzeuge von Ärzte ohne Grenzen haben am Freitag 68 Tonnen Hilfsgüter in die liberianische Hauptstadt Monrovia gebracht. Noch immer sind dort Hunderttausende von Zivilisten von jeglicher Hilfe abgeschnitten. Das logistische und medizinische Material ist für die Krankenhäuser und medizinischen Einrichtungen bestimmt, die von Ärzte ohne Grenzen versorgt werden.

Zurzeit arbeiten 300 liberianische und elf internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Monrovia, darunter ein Chirurg und ein Anästhesist.

In der Region Bong setzt ein liberianisches Team von Ärzte ohne Grenzen die Arbeit in den Vertriebenenlagern fort, in denen mehr als 60.000 Menschen leben. Seit Mai haben die Vertriebenen keine Nahrungsmittelhilfe mehr erhalten. Drei Viertel des Landes sind bis heute für humanitäre Hilfe unzugänglich.

In der belagerten Hauptstadt werden die Lebensmittel nach Angaben der Organisation immer knapper, und die Preise sind explodiert: Der Kurs für eine Schale Reis ist bereits um ein Zehnfaches gestiegen.

"Unsere internationalen und liberianischen Mitarbeiter arbeiten unter extrem schwierigen Bedingungen", erklärt die Ärztin Mercedes Tatay, Projektleiterin von Ärzte ohne Grenzen. "Aber diese Bedingungen spiegeln nur die verzweifelte Situation der Zivilbevölkerung wider, die intensiven Granatenangriffen und Schießereien ausgesetzt ist. Wir können auch nicht einschätzen, wie viele Kriegsverletzte und Cholera-Erkrankte unbehandelt bleiben, weil sie aufgrund der Kämpfe keinen Zugang zur medizinischen Versorgung haben." Allein in den ersten beiden Juliwochen hatten die Teams von Ärzte ohne Grenzen 700 Cholera-Patienten in Monrovia behandelt. Zurzeit ist der Zugang zu den Behandlungszentren allerdings aus Sicherheitsgründen unmöglich.

In den vergangenen zwei Wochen hat Ärzte ohne Grenzen 400 Kriegsverwundete in Notkliniken behandelt. Im Samuel Doe-Stadion, wo 40.000 Menschen Zuflucht gefunden haben, führen liberianische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen täglich über 250 Untersuchungen durch.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00