Liberia

Kritische Situation in Liberia: Ärzte ohne Grenzen fordert Schutz und Hilfe für Zehntausende Zivilisten

Berlin, 26. Mai 2003: Angesichts der intensiven Kämpfe in Liberia ist die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sehr besorgt über die Folgen für die Zivilbevölkerung. Trotz schwieriger Sicherheitslage setzt die Organisation ihre Arbeit in Monrovia und Umgebung eingeschränkt fort. Ärzte ohne Grenzen fordert die Konfliktparteien auf, die Sicherheit humanitärer Helfer zu garantieren und dem Schutz von Zivilisten absolute Priorität einzuräumen.

Auch in den wenigen Gebieten, die für humanitäre Hilfe noch zugänglich sind, erhält die Zivilbevölkerung viel zu wenig Schutz und Hilfe. Die Vertriebenenlager von Montserrado, die nur wenige Kilometer von Monrovia entfernt liegen, wurden zwei Mal überfallen und geplündert. 50.000 Menschen sind zwischen der Kriegsfront, dem Meer und dem Fluss Saint Paul eingeschlossen. Die Nahrungsmittelhilfe ist seit Ende März unterbrochen, und die Zahl der unterernährten Kinder steigt stetig. In Lofa County, im Nordwesten Liberias, ist es seit über zwei Jahren unmöglich, humanitäre Hilfe zu leisten. Die Berichte, die die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen von Flüchtlingen und Vertriebenen aus der Region erhalten, zeugen von Gewalt der Konfliktparteien gegenüber der Zivilbevölkerung.

Die immer schwierigere Sicherheitslage hat die Möglichkeiten zur Hilfeleistung massiv eingeschränkt. Dennoch arbeitet Ärzte ohne Grenzen in den Vertriebenenlagern in der nordöstlich von Monrovia gelegenen Stadt Bong weiter, in denen beinahe 50.000 Menschen untergebracht sind. Auch in den Lagern von Montserrado sind die Mitarbeiter weiterhin präsent. In Monrovia unterstützen Teams das Redemption-Krankenhaus und mehrere Gesundheitszentren mit medizinischer und chirurgischer Hilfe.

Ärzte ohne Grenzen fordert die Konfliktparteien dringend dazu auf, die Sicherheit von Mitarbeitern humanitärer Organisationen zu gewährleisten, damit der Zivilbevölkerung in allen Provinzen Liberias geholfen werden kann. Für die Gespräche, die Anfang Juni zwischen den Konfliktparteien in Ghana stattfinden sollen, fordert Ärzte ohne Grenzen, dass humanitären Fragen sowie der Schutz der Zivilbevölkerung absolute Priorität eingeräumt wird.

In Liberia sind nur noch zwei der 15 Provinzen des Landes von den Kämpfen verschont. Die Kriegsfront ist bis auf wenige Kilometer an die Hauptstadt Monrovia herangerückt, wo Zehntausende Vertriebene Zuflucht gesucht haben. Im Osten des Landes haben die Kämpfe die Stadt Harper erreicht und beinahe 10.000 Personen zur Flucht in die Elfenbeinküste getrieben, wo sie ebenfalls keineswegs sicher sind. Auch das Team von Ärzte ohne Grenzen musste bei Ausbruch der Kämpfe Harper verlassen. Die Mitarbeiter konnten sich zu Fuß in die Elfenbeinküste retten und in der Stadt Tabou in Sicherheit bringen. In Harper hatte Ärzte ohne Grenzen seit 1998 im Krankenhaus chirurgische Hilfe und Geburtshilfe geleistet sowie Tuberkulosepatienten versorgt. Zudem gab es dort ein Ernährungszentrum für schwer unterernährte Kinder.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Anke Stockdreher, Tel.: 030-22 33 77 00