Kolumbien

Kolumbien: Ärzte ohne Grenzen befürchtet erneute Zwangsvertreibungen

Berlin/Bogotá, 26. Februar 2002. Nach dem Ende des Friedensprozesses zwischen der kolumbianischen Regierung und der Rebellengruppe Farc befürchtet die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen eine Eskalation der Gewalt und Zwangsvertreibungen der Zivilbevölkerung. Ärzte ohne Grenzen ruft deshalb alle Konfliktparteien auf, den Dialog fortzusetzen und die Menschenrechte sowie das internationale humanitäre Völkerrecht zu respektieren.

Seit 1985 betreut Ärzte ohne Grenzen Projekte zur Unterstützung der Zwangsvertriebenen in Kolumbien, leistet medizinische Hilfe für die Bevölkerung in isolierten ländlichen Gebieten und bietet den Opfern von Gewalt psychosoziale Unterstützung an. Zudem helfen die Mitarbeiter im Falle von Epidemien oder Naturkatastrophen. Vor allem in den Slums der großen Städte, wo die Vertriebenen Zuflucht suchen, nehmen Unterernährung und Krankheiten in erschreckendem Maße zu.

Ärzte ohne Grenzen legte der Europäischen Union eine Reihe von Empfehlungen zu Kolumbien vor. Diese beinhalten eine scharfe Verurteilung der Zwangsvertreibungen sowie die Aufforderung an die kolumbianische Regierung, dem Gesetz zum Schutz der Vertriebenen zu entsprechen. Darüber hinaus soll überprüft werden, wie die kolumbianische Regierung die ihr zugesprochenen Hilfsgelder einsetzt. Dies gilt vor allem für Mittel, die zur medizinischen Unterstützung der bedürftigen Bevölkerung vorgesehen sind.

Die Organisation ist vor allem besorgt über das Schicksal der rund 100.000 Menschen, die in dem derzeit umkämpften, ehemals entmilitarisierten Gebiet im Süden des Landes leben. Sie werden die ersten Opfer erneuter Angriffe verschiedener bewaffneter Gruppen sein. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen in Kolumbien fordern jährlich rund 30.000 Todesopfer. Darüber hinaus werden jedes Jahr Hunderttausende gezwungen, ihre Heimatorte zu verlassen. Innerhalb der vergangenen 15 Jahre wurden mehr als zwei Millionen Menschen vertrieben. Dies hat laut Ärzte ohne Grenzen dramatische Auswirkungen auf das gesellschaftliche Gefüge sowie die humanitäre Situation in dem südamerikanischen Land. Die Zahl derjenigen, die in Armut leben, nimmt zu, und ein großer Teil der Bevölkerung ist von jeglicher Versorgung ausgeschlossen.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00