Kinder mit HIV/Aids sind vernachlässigte Patienten - Ärzte ohne Grenzen fordert bessere Medikamente für Kinder mit HIV/Aids

Genf / Berlin, 3. November 2004. Anlässlich einer Konferenz in Genf zu HIV/Aids bei Kindern kritisiert die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, dass die Behandlungsmöglichkeiten für Kinder nicht ausreichen. In ärmeren Ländern müssen viele von ihnen sterben, weil die HIV/Aids-Therapie viel teurer und komplizierter ist als bei Erwachsenen. Ärzte ohne Grenzen fordert internationale Institutionen, Regierungen und die Pharmaindustrie auf, schnell Lösungen für dieses Problem zu finden.

Im vergangenen Jahr wurde die Behandlung von Erwachsenen mit HIV/Aids in ärmeren Ländern zunehmend einfacher. Viele Patienten nehmen inzwischen generisch hergestellte Kombinationspräparate, die aus drei antiretroviralen Medikamenten bestehen. Diese haben zwei Vorteile: Sie sind in Form einer einzigen Tablette einfach einzunehmen und als Generika wesentlich kostengünstiger als die Markenprodukte.

Doch solche Präparate gibt es laut Ärzte ohne Grenzen noch nicht in entsprechenden Dosierungen für Kinder. Die Behandlung eines Kindes kann mehr als sechs Mal so teuer sein wie die Therapie eines Erwachsenen: 1.300 US-Dollar im Vergleich zu 200 US-Dollar jährlich (für ein 14 Kilogramm schweres Kind, dass drei verschiedene Sirups einnehmen muss). Im Jahr 2003 trugen nach Angaben von UNAIDS weltweit rund 2.5 Millionen Kinder das HI-Virus in sich. Die Hälfte der HIV-positiven Kinder sterben vor ihrem zweiten Geburtstag.

"Da Arzneimittelhersteller keine Kombinationspräparate für Kinder anbieten, mache ich das, was die meisten Ärzte tun: Ich zeige den Angehörigen, wie sie die Tabletten für Erwachsene zerkleinern können, und hoffe, dass die Kinder die Dosis bekommen, die sie brauchen", sagt Koen Frederix, ein Kinderarzt, der für Ärzte ohne Grenzen in Malawi arbeitet. "Kleine Kinder können außerdem keine Tabletten schlucken, daher müssen wir ihnen verschiedene Sirups in jeweils unterschiedlichen Mengen geben - was die Behandlung wesentlich komplizierter macht."

Für die Pharmaindustrie gibt es wenige Marktanreize, HIV/Aids-Medikamente speziell für Kinder herzustellen. "In reichen Ländern gibt es nur wenige Kinder, die an der Immunschwächekrankheit leiden, und ärmere Länder können die Kosten für die Therapien nicht aufbringen", sagt Tido von Schön-Angerer von der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen. Einige Studien befassen sich mit der Entwicklung von Tabletten, die Kinder einmal am Tag einnehmen müssten. Die Hoffnung ist, dass einige Unternehmen die Produktion dieser Präparate aufnehmen.

Ärzte ohne Grenzen behandelt seit Anfang 2002 Kinder in HIV/Aids-Programmen mit antiretroviralen Medikamenten.

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, Tel.: 030-22 33 77 00