Kenia

Kenia: Arzneimittelknappheit bedroht die Gesundheit von HIV/Aids-Patienten

Berlin/Nairobi, 16. April 2002. Mitarbeiter zahlreicher Gesundheitszentren in Kenia berichten von regelmäßigen und teilweise lang anhaltenden Ausfällen bei der Lieferung von HIV/Aids-Medikamenten. Es handelt sich dabei um Arzneimittel von pharmazeutische Unternehmen, die erst im vergangenen Jahr die Produktpreise für afrikanische Länder reduziert haben. Die KENYAN COALITION FOR ACCESS TO ESSENTIAL MEDICINES fordert eine schnelle Lösung dieses Problems.

Zur KENYA COALITION ON ACCESS TO ESSENTIAL MEDICINES gehören Action Aid, Cry for the World Foundation, The Association of People living with AIDS in Kenya (TAPWAK), Network for People living with AIDS (NEPHAK), Oecomenical Pharmaceutical Network (EPN), Women fighting AIDS in Kenya (WOFAK), the Society for Woman and AIDS in Kenya (SWAK), Health Action International (HAI) Africa, Nyumbani, International Federation of Women Lawyers - Kenya (FIDA), Médecins Sans Frontières (MSF), DACASA, the Kenyan Medical Association (KMA), and Consumers Information Network (CIN), und weitere Organisationen und Einzelpersonen.

Täglich sterben 700 Menschen an HIV/Aids in Kenia. Die kenianische Regierung hat deshalb den nationalen Notstand erklärt. "Mit den anitretroviralen Medikamenten haben wir eine Möglichkeit, das Problem anzugehen", erklärt Liza Kimbo. "Doch die Regierung muss einen Markt schaffen, der vom Wettbewerb bestimmt ist, und die Pharmafirmen müssen damit aufhören, Preisnachlässe zu geben, dafür aber die Lieferungen nicht zu garantieren."

Die Koalition ist der Meinung, dass die kenianische Regierung - im Gegensatz zur jetzigen Situation - es mehreren Anbietern ermöglichen sollte, jeweils dasselbe HIV/Aids-Medikament auf dem einheimischen Markt anzubieten. Darüber hinaus fordert sie, dass lokale Großhändler alle HIV/Aids-Medikamente auf Kredit erhalten sollten - unabhängig von ihrem Preis. Nur so kann sichergestellt werden, dass genügend Vorräte vorhanden sind und die Therapie der Patienten nicht unterbrochen werden muss.

Nach Ansicht der KENYAN COALITION FOR ACCESS TO ESSENTIAL MEDICINES gibt es zwei Gründe für die Arzneimittelknappheit: Die Hersteller liefern die kostengünstigen Medikamente nicht regelmäßig, und die kenianischen Großhändler können die preisreduzierten Arzneimittel nicht auf Vorrat einkaufen, da die Firmen diese nicht auf Kredit verkaufen.

"Die Pharmafirmen weisen immer als erste auf die Gefahren einer unregelmäßigen Einnahme der antiretroviralen Therapie hin. Sie benutzen dies auch als Argument dafür, ihre Monopolstellung zu behalten und die Preise nicht zu reduzieren", erklärt Liza Kimbo von der KENYAN COALITION FOR ACCESS TO ESSENTIAL MEDICINES. "Aber in Wirklichkeit sind sie diejenigen, die die Medikamente nicht zuverlässig liefern und damit den Patienten die Chance nehmen, ihre HIV/Aids-Erkrankung erfolgreich zu behandeln."

"Meiner Erfahrung nach nehmen die Patienten ihre Medikamente hier sehr sorgfältig - das ist also nicht das Problem", sagt Dr. Wasonga vom Mbagathi Krankenhaus in Nairobi. "Vielmehr besteht das Problem darin, dass wir die Arzneimittelmittel nicht regelmäßig geliefert bekommen. Für meine Patienten kann das bedeuten, dass wir es nicht schaffen, ihren Gesundheitszustand zu stabilisieren."

Einige Pharmaunternehmen haben im vergangenen Jahr die Preise für HIV/Aids-Medikamente, die in afrikanischen Ländern von öffentlichen Einrichtungen, internationalen Institutionen und Nichtregierungsorganisationen verwendet werden, um 50 bis 98 Prozent gesenkt. Doch Preisreduzierungen ohne kontinuierlichen Arzneimittelnachschub sind äußerst gefährlich, weil die Medikamente nur dann erfolgreich wirken, wenn sie korrekt dosiert und regelmäßig eingenommen werden. Darüber hinaus besteht bei unregelmäßiger Arzneimitteleinnahme die Gefahr, dass sich bei den HIV-Erregern Resistenzen ausbilden.

Neben Bristol-Myers Squibb hat auch die Firma GlaxoSmithKline's (GSK) Lieferschwierigkeiten: Während eines zweiwöchigen Zeitraums im März und April diesen Jahres war das Mittel Retrovirâ nicht erhältlich, und im vergangenen August wurde das Medikament Epivirâ nicht geliefert.

Obwohl die Pharmaindustrie behauptet, das Problem sei gelöst, stellt die KENYAN COALITION FOR ACCESS TO ESSENTIAL MEDICINES seit einem Jahr regelmäßige Lieferausfälle zum Quartalsende fest.

Regelmäßige Ausfälle bei der Lieferung der Medikamente Videxâ (25mg) und Zeritâ (30mg), die von der Firma Bristol-Myers Squibb (BMS) hergestellt werden, zwingen HIV/Aids-Patienten dazu, ihre Therapie zu ändern oder sogar ganz zu unterbrechen. Dies bedeutet ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko für die Betroffenen.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle,
Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00