Kamerun

Kamerun: Ernährungslage von Flüchtlingenaus der Zentralafrikanischen Republik ist kritisch

Yaoundé/Berlin, 31. Juli 2007. Seit mehr als einem Jahr treffen Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik in Kamerun ein. Den Ergebnissen einer Untersuchung von Ärzte ohne Grenzen zufolge liegen Unterernährung und Sterblichkeitsraten weit über der Schwelle, die eine Notlage anzeigen. Ärzte ohne Grenzen verteilt deshalb gezielt Nahrungsmittel an die gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Hilfe von anderen humanitären Organisationen ist dringend notwendig.

Der Bürgerkrieg und die Gewalt, die die Zentralafrikanische Republik erschüttern, haben laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) zur Flucht von rund 78.000 Menschen geführt. Sie sind in die Nachbarländer Tschad, Sudan und Kamerun geflüchtet. Seit dem vergangenen Jahr haben mehr als 26.000 Menschen, die dem Nomadenstamm der Bororo angehören, an 59 verschiedenen Orten entlang der Ostgrenze Kameruns Zuflucht gefunden.

Eine Untersuchung von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Gbiti in der Ost-Provinz zeigt ein erschütterndes Bild: Von 771 Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren sind 3,9 Prozent schwer unterernährt; 7,4 Prozent leiden an einer mäßigen Unterernährung. Noch gravierender sind die Resultate bei den Fünf- bis Zehnjährigen: 7,5 Prozent sind schwer unterernährt, weitere 16,3 Prozent leiden an mäßiger Unterernährung. "Die Ernährungslage dieser Bevölkerungsgruppen, die zu lange nicht wahrgenommen worden ist, ist nun in einen sehr kritischen Bereich geraten", sagte Christian Captier, Geschäftsführer der Schweizer Sektion von Ärzte ohne Grenzen, anlässlich eines Besuchs in der Region.

Auch die Sterblichkeitsrate ist hoch: In den Flüchtlingslagern rund um Ngaoui, Ndokayo und Gbiti werden täglich zwischen drei und sieben Todesfälle auf 10.000 Personen registriert. Damit wird das statistische Kriterium einer Notlage um das drei- bis siebenfache übertroffen.

Ärzte ohne Grenzen hat nun mit einer gezielten Nahrungsverteilung geantwortet. So wurden im östlichen Landesteil mehr als 12 Tonnen Nahrungsmittel an 2.398 Kinder unter zehn Jahren und ihre Mütter verteilt. Die Hilfsorganisation übernimmt zudem in Zusammenarbeit mit dem kamerunischen Gesundheitsministerium die medizinische Betreuung der dringendsten Fälle. Gleichzeitig wartet Ärzte ohne Grenzen auf eine flächendeckende Nahrungsmittelverteilung, welche die Vereinten Nationen organisieren. Ärzte ohne Grenzen ist über die Situation sehr beunruhigt und fordert die humanitären Organisationen auf, die lange vernachlässigten Bevölkerungsgruppen möglichst schnell zu unterstützen.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1984 in Kamerun tätig und arbeitet mit dem Gesundheitsministerium in zwei HIV-/Aids-Projekten in Yaoundé und Douala. Im Krankenhaus von Akonolinga behandelt die Nothilfeorganisation Menschen mit der vernachlässigten Krankheit Buruli-Ulkus. Im Norden der Zentralafrikanischen Republik leistet Ärzte ohne Grenzen in und um die Orte Paoua, Boguila, Markounda, Batangafo, Kabo, Kaga Bandoro, Gordil und Birao Hilfe. Die Teams bieten Basisgesundheitsversorgung an.

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, Tel.: 030 22 33 77 0