Sudan

Jahresbilanz 2008: Steigerung der Einnahmen - Pakistan: Unabhängige Hilfe für Vertriebene unabdingbar

Berlin, 17. Juli 2009. Die deutsche Sektion von Ärzte ohne Grenzen hat im vergangenen Jahr 44,1 Millionen Euro eingenommen. „Damit haben sich die Einnahmen um 9,6 Millionen Euro, das heißt um 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, erhöht“, sagte der Vorstandsvorsitzende Tankred Stöbe am Freitag in Berlin. Ausgegeben hat die Organisation insgesamt 44,3 Millionen Euro, wobei 35,5 Millionen Euro in die Projekte geflossen sind. Der Sudan und Pakistan gehörten im Jahr 2008 zu den zehn Ländern, die am meisten finanzielle Unterstützung erhalten haben. Die anhaltend dramatische Situation in beiden Ländern verlangt weiterhin Unterstützung und große Aufmerksamkeit.

Auch wenn die Arbeitsbedingungen in Darfur schwierig sind, konnte Ärzte ohne Grenzen dort humanitäre und medizinische Hilfe leisten. Seit 2003 hat die Organisation mehr als drei Millionen Patienten in Darfur behandelt. Nach dem Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir durch den Internationalen Strafgerichtshof am 4. März wurden 13 Hilfsorganisationen aus Darfur ausgewiesen, darunter die holländische und französische Sektion von Ärzte ohne Grenzen. „Infolge der Ausweisung mussten wir unsere Projekte in Süddarfur schließen“, sagte Stöbe. „Auch wenn wir in fünf Orten in Nord- und Westdarfur weiterhin tätig sind, sind wir in Sorge um die Menschen, die wir zurücklassen mussten. Wir befürchten, dass ihre Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden.“

Auf die kritische Situation in Pakistan machte Frank Dörner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen, aufmerksam. Der Konflikt zwischen den pakistanischen Taliban-Gruppen und der Regierung in der nordwestlichen Grenzprovinz des Landes ist in den vergangenen Monaten eskaliert. „Das Ausmaß der Krise in Pakistan ist erschreckend“, sagte Dörner. Die Lage der nahezu zwei Millionen Vertriebenen, von denen etwa 1,7 Millionen Menschen weit verstreut bei Gastfamilien, in Schulen und öffentlichen Einrichtungen untergekommen sind, ist besorgniserregend. „Die brisante Sicherheitslage erlaubt es unseren Mitarbeitern nicht, sich frei zu bewegen und damit alle Menschen zu erreichen.“ Dennoch leistet Ärzte ohne Grenzen in der nordwestlichen Grenzprovinz Pakistans in sechs Distrikten nicht nur Basisgesundheitsversorgung, sondern verteilt auch Zelte, Kochutensilien und Hygieneboxen, schafft Zugang zu sauberem Wasser und baut Latrinen.

Völlige Unabhängigkeit von jeglichen politischen Interessen ist für die humanitäre Arbeit unabdingbar. Aus diesem Grund finanziert Ärzte ohne Grenzen die Projekte in Ländern wie Pakistan ausschließlich mit privaten Spenden. Mehr als 80 Prozent der Einnahmen im Jahr 2008 stammen von privaten Spendern.