Italien

Italien: Der Tod von Flüchtlingen bei Lampedusa zeigt politisches Versagen

Rom/Berlin, 23. Oktober 2003. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist äußerst besorgt über das Schicksal der Flüchtlinge, die auf der süditalienischen Insel Lampedusa ankommen. Die Organisation wirft der italienischen Regierung vor, ihrer Verantwortung nicht gerecht zu werden und die Flüchtlinge nicht angemessen zu versorgen.

Laut Ärzte ohne Grenzen sind seit Juni dieses Jahres 5.000 Flüchtlinge auf Lampedusa angekommen - allein im Oktober waren es 600. Viele der Flüchtlinge, die von Libyen aus Zuflucht in Europa suchen, überleben die Überfahrt über das Meer nicht. Am vergangenen Sonntag erreichte ein Boot mit 24 Flüchtlingen die Insel. Nur elf der hauptsächlich aus Somalia stammenden Flüchtlinge hatten die Überfahrt überlebt. 13 Menschen waren gestorben. Die Überlebenden wurden zunächst in das Abschiebelager auf Lampedusa gebracht, wo Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe leistet. Aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustands mussten die meisten jedoch umgehend auf die Intensivstation des Krankenhauses von Palermo verlegt werden.

Für Ärzte ohne Grenzen spiegelt sich im Verhalten der italienischen Regierung der Trend der EU-Politik, die sich darauf konzentriert, illegale Einwanderer abzuschrecken, anstatt für menschenwürdige Bedingungen und mehr Unterstützung zu sorgen. "Der Versuch, Menschen abzuschrecken, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, wird nicht gelingen. Vielmehr verdienen es diese Menschen, mit Respekt behandelt zu werden, die notwendige Unterstützung zu erhalten und über ihre Rechte aufgeklärt zu werden", so Loris de Filippi.

"Die italienische Regierung wird ihrer Verantwortung nicht gerecht. Sie ist nicht darauf vorbereitet, die Dramen vor der italienischen Küste zu verhindern und die Flüchtlinge angemessen zu versorgen", sagte Loris de Filippi, Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen in Italien. "Beinahe täglich kommen Boote mit Flüchtlingen hier an, und noch immer ist ihre Aufnahme nicht organisiert. Die Ankömmlinge erhalten nur minimale Unterstützung und erhalten keinerlei Informationen über ihre Rechte."

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00