Irak

Irak: Ärzte ohne Grenzen eröffnet Gesundheitszentren in benachteiligtem Randbezirk Bagdads

Brüssel/Berlin, 18. Juni 2003. Am Montag, den 16. Juni, hat Ärzte ohne Grenzen ein zweites Gesundheitszentrum in Al-Ma'amil, im Nordosten von Sadr Stadt, einem armen Randbezirk Bagdads eröffnet. Ein erstes Gesundheitszentrum hatte dort bereits am 6. Juni die Arbeit aufgenommen, um den enormen Bedarf an medizinischer Basisversorgung aufzufangen: Schon am Eröffnungstag waren 138 Konsultationen durchgeführt worden, inzwischen sind es etwa 700 pro Woche.

Die schlechten hygienischen Bedingungen sowie der Mangel an sauberem Wasser sind die Hauptgründe für das hohe Seuchenrisiko. "Viele Menschen bekommen ihr Wasser aus Brunnen, die so schmutzig sind, dass man auf ihrem Grund Schichten von Abfall sehen kann, der dort bereits seit Jahren liegt. Das Wasser selbst sieht grün aus", berichtet Boulet-Desbareau. Der Wassermangel ist so dramatisch, dass die Menschen die Wasserleitungen anbohren, die ins Zentrum der Hauptstadt führen, um überhaupt an Wasser zu gelangen.

Sadr Stadt (früher: Saddam Stadt) hat etwa zwei Millionen Einwohner und wurde während der Herrschaft Saddam Husseins stark vernachlässigt. Inzwischen hat das irakische Gesundheitsministerium das Gebiet, in dem Ärzte ohne Grenzen arbeitet, als das mit der höchsten Seuchengefahr im ganzen Land identifiziert. Um rechtzeitig vor dem Ausbruch von Epidemien warnen zu können, aber auch um eine bessere Trinkwasserversorgung zu ermöglichen, baut Ärzte ohne Grenzen zurzeit ein spezielles Frühwarnsystem für Sadr Stadt auf.

Das nahegelegene Al Thawra-Krankenhaus wird inzwischen von einem siebenköpfigen Team von Ärzte ohne Grenzen unterstützt. Die Mitarbeiter schulen das Pflegepersonal in grundlegenden Aufgaben wie Injektionen verabreichen, Verbände anlegen und in medizinischer Dokumentation.

"Die Menschen in diesem benachteiligten Vorort mit etwa 300.000 Einwohnern leben unter schrecklichen Bedingungen", erklärt Pierre Boulet-Desbareau, Landeskoordinator für den Irak. "Seit Jahren wird dieser Teil Bagdads als Müllabladeplatz für den Rest der Stadt benutzt. So sind unsere Mitarbeiter bei ihren Erkundungstouren dort in ein Gebiet gelangt, in dem mehr als 10.000 Menschen in Metallbaracken auf einer Müllkippe leben. Der Zugang zu medizinischer Versorgung ist gleich null."

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Tel.: 030-22 33 77