Irak

Irak: Ärzte ohne Grenzen beendet Projektarbeit - Sicherheitsrisiken für humanitäre Helfer nicht mehr tragbar

Amman / Berlin, 4. November 2004. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen schließt bis auf weiteres ihre Programme im Irak. Die Organisation traf diese Entscheidung angesichts des großen Risikos, dem die Helfer im Irak derzeit ausgesetzt sind. Ärzte ohne Grenzen bedauert den Rückzug sehr, da die irakische Bevölkerung auf humanitäre und medizinische Hilfe angewiesen ist.

Aufgrund der eskalierenden Gewalt im Land hält Ärzte ohne Grenzen es für nicht länger akzeptabel, die Mitarbeiter weiterhin den extremen Sicherheitsrisiken im Irak auszusetzen. Offenbar ist jede Person gefährdet, die mit internationalen Hilfs-organisationen in Verbindung gebracht wird.

"Ärzte ohne Grenzen kann den Mitarbeitern gegenüber leider nicht mehr ein angemessenes Maß an Sicherheit garantieren. Dies trifft sowohl für die internationalen als auch für die irakischen Kollegen zu", erklärte Gorik Ooms, Geschäftsführer der belgischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen. Die Projekte im Irak werden von Brüssel aus koordiniert. "Wir bedauern zutiefst, dass wir der irakischen Bevölkerung nicht mehr zur Seite stehen können."

Ärzte ohne Grenzen hat sich zu jeder Zeit streng an das Prinzip der Unabhängigkeit humanitärer Hilfe gehalten. Die Organisation hat sich niemals durch politische, militärische oder andere Motive davon abbringen lassen, denen zu helfen, die dringend medizinische Hilfe benötigen. Alle Kriegsparteien im Irak haben jedoch wiederholt gezeigt, dass sie unabhängige humanitäre Hilfe nicht respektieren.

Ärzte ohne Grenzen ist seit Dezember 2002 im Irak tätig. Während der Bombardierung von Bagdad blieb ein kleines internationales Team in der Stadt, um Hilfe leisten zu können. Später baute die Organisation drei Gesundheitszentren in Sadr City auf und unterstützte ein Krankenhaus. Seit Januar 2004 wurden allein in den Gesundheitszentren rund 100.000 Konsultationen durchgeführt. Zudem bauten die Mitarbeiter einen zu diesem Projekt gehörenden ambulanten Service auf. Darüber hinaus hat Ärzte ohne Grenzen die Lage in den umkämpften Städten Fallujah, Najaf and Kerbala erkundet und dortige Gesundheitszentren unterstützt.

Weitere Informationen: Pressestelle, Petra Meyer, Christiane Löll, Tel.: 030-22 33 77 00