Inguschetien: Ärzte ohne Grenzen fordert UNHCR auf, bessere Bedingungen für Vertriebene aus Tschetschenien zu schaffen

Nazran/Berlin, 16. Januar 2002. Die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen ruft den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, Ruud Lubbers, anlässlich seines heutigen Inguschetien-Besuchs auf, sich für eine bessere Versorgung der Tschetschenen in Inguschetien einzusetzen. Unbeachtet von der internationalen Gemeinschaft leben Hunderttausende tschetschenische Vertriebene dort unter inakzeptablen Bedingungen. Da die Gewalt in Tschetschenien weiterhin anhält, nimmt die Zahl der Vertriebenen täglich zu.

Unterdessen hält die Gewalt in Tschetschenien an. Die Bevölkerung lebt unter ständiger Bedrohung, und viele Familien haben ihr Zuhause verloren. Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Hilfe in Inguschetien, Dagestan und Tschetschenien. In Inguschetien werden die Vertriebenen seit 1999 versorgt. In Tschetschenien kann Ärzte ohne Grenzen aus Sicherheitsgründen nur begrenzt arbeiten. Die Organisation unterstützt dort medizinische Einrichtungen, verteilt Medikamente und medizinisches Material.

Ärzte ohne Grenzen kritisiert außerdem das unklare Registrierungssystem für Neuankömmlinge. Viele Menschen werden überhaupt nicht erfasst, da die verschiedenen Organisationen unterschiedliche Verfahren anwenden. Zudem betrachten die russischen Behörden Tschetschenen, die seit Februar 2001 in Inguschetien Schutz suchen, als "Wirtschaftsflüchtlinge" und registrieren sie nicht mehr. Ohne rechtlichen Status steht ihnen jedoch keine Unterstützung zu. Häufig finden sie keine Arbeit und haben keinen Zugang zu humanitärer Hilfe. Ärzte ohne Grenzen fordert den UNHCR auf sicherzustellen, dass die offizielle Registrierung der tschetschenischen Vertriebenen wieder aufgenommen wird.

Ärzte ohne Grenzen ist sehr besorgt über die humanitäre Situation von schätzungsweise 180.000 Tschetschenen, die aus ihren Heimatorten vertrieben wurden und bereits den dritten Winter in Inguschetien verbringen. Ihre Lage verschlechtert sich zunehmend. Die meisten haben bei Familien Zuflucht gefunden. Mehr als 60.000 Menschen leben in Zelten, leeren Schul- oder Fabrikgebäuden. Am nötigsten werden Unterkünfte und sanitäre Einrichtungen gebraucht. Die Zelte sind abgenutzt und undicht, sie müssen dringend ersetzt werden. Auch die sanitäre Versorgung ist völlig unzureichend: 100 Menschen müssen sich jeweils eine Latrine teilen.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00