Sudan

Im Südsudan droht eine Kala-Azar Epidemie Ärzte ohne Grenzen fordert konzertierte Aktion gegen tödliche Krankheit

Nairobi/Berlin, 22. Dezember 2003. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen breitet sich in der südsudanesischen Provinz Upper Nile die tödliche Tropenkrankheit Kala-Azar zunehmend aus. Die Zahl der Erkankten steige stark an, berichten Mitarbeiter der Organisation. Ärzte ohne Grenzen ruft andere internationale Organisationen auf, sich in der Region zu engagieren, um eine Epidemie zu verhindern.

Ärzte ohne Grenzen hat in der kleinen Stadt Bimbim in Latjor State eine kleine Klinik errichtet. Innerhalb einer Woche wurden dort 150 Patienten gegen Kala-Azar behandelt, täglich kommen 20 weitere hinzu. Die meisten Menschen berichten, dass sie aufgrund der Krankheit bereits mindestens ein Familienmitglied verloren haben.

"Alle Anzeichen deuten auf den Ausbruch einer Epidemie hin", sagte Kees Keus, Gesundheitsberater von Ärzte ohne Grenzen, "denn alle Altersgruppen und beide Geschlechter sind betroffen." Zudem kommen die Erkrankten aus Latjor State, die Krankheit wurde also nicht eingeschleppt. "Wir müssen möglichst schnell das Ausmaß dieses Problems herausfinden, denn unsere Erfahrung lehrt, dass eine solche Epidemie verheerend sein kann", so Keus.

Überträger der Tropenkrankheit Kala-Azar ist eine Sandfliege. Durch ihren Biss gelangt ein Parasit ins Blut, der das Immunsystem schwächt. Die meisten Kranken sterben an Infektionen, die der Körper aufgrund der Abwehrschwäche nicht mehr bekämpfen kann. Dazu gehören Lungenentzündung, Durchfall oder Tuberkulose. Unterernährte Menschen laufen ebenso Gefahr, schneller an Kala-Azar zu erkranken und daran zu sterben. Unbehandelt ist die Krankheit stets tödlich.

In der nahe gelegenen Stadt Kechkoun macht die Hilfsorganisation ADRA ähnliche Erfahrungen wie das Team von Ärzte ohne Grenzen. Dort werden bereits 145 Patienten behandelt. Auch aus der Stadt Nassir, zwölf Fußwegstunden von Bimbim entfernt, gibt es Gerüchte über zahlreiche Kranke, die allerdings noch unbestätigt sind.

Latjor State verfügt über sehr wenige medizinische Einrichtungen. Zudem hat es in der Provinz Upper Nile in diesem Jahr sehr viele unterernährte Menschen gegeben. Ärzte ohne Grenzen ist fest davon überzeugt, dass nur eine konzertierte Aktion verschiedener Hilfsorganisationen die drohende Epidemie eindämmen und allen Erkrankten Hilfe zukommen lassen kann.

Seit 1988 behandelt Ärzte ohne Grenzen bereits Kala-Azar Patienten im Südsudan.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Tel: 030-22 33 77 00