Historische Entscheidung in Südafrika - Ärzte ohne Grenzen begrüßt nationalen Aids-Behandlungsplan

Kapstadt/Berlin, 8. August 2003. Mit großer Freude begrüßt die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen die Ankündigung der südafrikanischen Regierung, einen nationalen Aids-Behandlungsplan auf den Weg zu bringen. In einer am Freitag veröffentlichten Erklärung beauftragte das südafrikanische Kabinett das Gesundheitsministerium damit, bis Ende September 2003 einen detaillierten Plan zur Bereitstellung antiretroviraler Medikamente für HIV-Infizierte in öffentlichen Krankenhäusern zu erstellen.

Nach seiner Implementierung wird der Behandlungsplan der umfangreichste seiner Art weltweit sein: Fast fünf Millionen Menschen sind in Südafrika bereits mit dem HI-Virus infiziert, mehr als in jedem anderen Land der Welt. Damit die Behandlung für alle diese Menschen bezahlbar sein kann, muss einer lokalen Medikamentenproduktion eine Schlüsselrolle zukommen, wie dies bereits beim nationalen Aids-Programm in Brasilien der Fall ist. Ärzte ohne Grenzen wird schon bald die neuerdings in Südafrika hergestellte Form des Medikaments Stavudine (d4T) in den südafrikanischen Projekten verwenden und die lokale Generikaproduktion sowie andere Strategien zur Beschaffung von kostengünstigen Nachahmermedikamenten unterstützen.

Ärzte ohne Grenzen begrüßt die Bereitschaft der Regierung, bei der Umsetzung des Behandlungsplans mit Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten. Der Organisation zufolge ist es unerlässlich, bereits vorhandene Informationen in diesem Bereich auszutauschen. "Wir freuen uns darauf, unsere Erfahrungen aus Khayelitsha und Lusikisiki zur Verfügung zu stellen", sagte Eric Goemaere. "Der Behandlungsplan wird nicht nur Südafrika verändern, sondern er wird auch ein positives Beispiel für die Nachbarländer und andere Entwicklungsländer sein."

Darüber hinaus startete Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit der NELSON MANDELA FOUNDATION im Januar 2003 ein weiteres HIV/Aids-Programm in Lusikisiki, einer ländlichen Region in der früheren Transkei mit einer extrem schwachen Gesundheitsstruktur. Mit diesen Projekten zeigt Ärzte ohne Grenzen, dass die antiretrovirale Therapie auch in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen in Südafrika durchführbar ist.

Im April 2000 hat Ärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit den Behörden der Provinz Western Cape drei HIV/Aids-Behandlungszentren in Khayelitsha eröffnet, einem Township am Rande Kapstadts, in dem etwa 500.000 Menschen leben. Seit Mai 2001 behandeln die Mitarbeiter HIV/Aids-Patienten dort auch mit antiretroviralen Medikamenten. Inzwischen erhalten rund 500 Menschen diese Arzneimittel, die größtenteils als kostengünstige Generika in Brasilien und Indien hergestellt werden.

"Das ist eine ausgesprochen gute Nachricht, und wir werden sie gemeinsam mit allen Menschen in Südafrika feiern, die von HIV/Aids betroffen sind", sagte Eric Goemaere, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika. "Mit dieser Ankündigung wird die Schwere und Dringlichkeit des HIV/Aids-Problems endlich anerkannt. Viel zu lange wurde es hier geleugnet. Das ist jetzt vorbei, und es gibt keinen Weg zurück."

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00.