Südsudan

Gewalt im Südsudan: Ärzte ohne Grenzen behandelt Hunderte Verwundete – 120.000 Menschen auf der Flucht

Juba/Berlin, 18. Juli 2013. Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen im südsudanesischen Bundesstaat Jonglei behandelt Ärzte ohne Grenzen in dem Ort Bor Hunderte Verwundete. Gleichzeitig versuchen Mitarbeiter, Tausende Menschen zu erreichen, die vor Gewalt im Bezirk Pibor geflohen sind. Rund 120.000 Menschen sind auf der Flucht. Wie viele getötet und verwundet wurden, ist unklar.

Seit dem 14. Juli arbeiten chirurgische Teams von Ärzte ohne Grenzen und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) im Krankenhaus von Bor. Sie versorgen Patienten, die aus Manyabol, wo sich verfeindete Gemeinden bekämpfen, in das Krankenhaus gebracht werden. „Derzeit behandeln wir mit Unterstützung der Gesundheitsbehörden 176 Verwundete“, sagt Raphael Gorgeu, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen. „128 von ihnen haben Schussverletzungen. Bisher haben wir 34 chirurgische Eingriffe vornehmen müssen. Wir erwarten weitere Verletzte. Unsere Priorität ist es jetzt die Patienten, die eine postoperative Behandlung brauchen, in unsere größeren Hilfsprogramme in Lankien, Nasir und Leer zu fliegen. Sieben Patienten wurden bereits verlegt.“

Ein anderes Team von Ärzte ohne Grenzen versucht derzeit, Tausende Menschen zu erreichen, die Zuflucht in unsicheren und mit Malaria verseuchten Sümpfen gesucht haben. Die Vertriebenen harren dort ohne sauberes Trinkwasser, Nahrung und medizinische Versorgung aus. Rund 120.000 Menschen sind in die Umgebung der Stadt Pibor geflohen, nachdem es im Juni im Bezirk zu Kämpfen zwischen der Südsudanesischen Armee (SPLA) und bewaffneten Milizen kam. Am Mittwoch wurde ein Team von Ärzte ohne Grenzen entsandt, um südlich der Stadt Pibor zu helfen.

„Die Menschen haben Angst in die Städte zu kommen, deshalb ist es wichtig, dass wir sie vor Ort versorgen“, sagt John Tzanos, Leiter des Teams von Ärzte ohne Grenzen im Bezirk Pibor. Schon Anfang Juli hatte das Team in der Stadt Boma, in der es heftige Kämpfe gab, eine kleine Klinik eingerichtet. Ärzte ohne Grenzen hat außerdem einen Gesundheitsposten in Gumuruk. Das Krankenhaus der Hilfsorganisation in Pibor-Stadt wurde im Mai gezielt zerstört.

„Die angebotene Hilfe liegt derzeit in vielen Gebieten weit unter den Bedürfnissen der Bevölkerung“, sagt Gorgeu. „Zwar haben die Behörden den Zugang zu den Verletzten genehmigt, dennoch bleibt es aufgrund der Unsicherheit und dem Beginn der Regenzeit extrem schwierig, die Verwundeten auf allen Seiten zu erreichen. Ärzte ohne Grenzen ist äußerst besorgt über die Auswirkungen der Gewalt auf die Bevölkerung und appelliert an alle Konfliktparteien, humanitäre Hilfe im gesamten Bundesstaat Jonglei zu respektieren und zu ermöglichen.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1993 in Jonglei tätig und bietet in den Bezirken Pibor, Uror und Nyirol medizinische Grundversorgung an. Nach Gewaltausbrüchen müssen die Teams immer wieder Verletzte versorgen. Im Jahr 2012 hat Ärzte ohne Grenzen in Jonglei 130.692 ambulante Behandlungen durchgeführt.