Haiti

Gewalt in Haiti: Ärzte ohne Grenzen fordert Schutz der Zivilbevölkerung

Berlin / Port au Prince, 6. Juli 2005. Angesichts zunehmender Gewalt in Haitis Hauptstadt Port au Prince fordert die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen alle bewaffneten Gruppen auf, die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu respektieren und Verwundeten sofortigen Zugang zu medizinischer Versorgung zu gewähren.

"In den letzten Wochen hat die Zahl der Patienten mit Schussverletzungen dramatisch zugenommen. Darunter sind vierjährige Kinder und siebzigjährige Frauen", sagt Ali Besnaci, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Haiti. "Vor kurzem mussten wir an einem einzigen Tag über 30 Opfer mit Schussverletzungen versorgen. Viele Verletzte fürchten, sich in Behandlung zu begeben, oder werden daran gehindert. Manche kommen erst mehrere Tage, nachdem sie angeschossen wurden, zu uns. Das ist völlig inakzeptabel."

Seit Dezember 2004 stellt Ärzte ohne Grenzen in dem 56-Betten-Zentrum im St. Josefs Krankenhaus von Port au Prince kostenlose Notfallbehandlung und Operationen für die wachsende Zahl von Verwundeten zur Verfügung. In einem nahegelegenen Rehabilitationszentrum bietet die Organisation auch postoperative Physiotherapie an. Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1991 in Haiti.

In den küstennahen Slums von Port au Prince, den so genannten "Quartiers populaires", werden Zivilisten von allen bewaffneten Gruppen sowohl unabsichtlich als auch gezielt beschossen oder getötet. Manche Verletzte sagen, sie seien bei Einsätzen der haitianischen Polizei und der Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Haiti (MINUSTAH) verwundet worden.

"Es ist erschreckend, dass die Zivilbevölkerung die Hauptlast der wachsenden Gewalt in Port au Prince tragen muss", sagt Besnaci. "In vielen Teilen von Port au Prince kämpfen die Menschen ums nackte Überleben und trauen sich nicht mehr aus ihren Häusern, da sie um ihr Leben fürchten. Viele sagen uns, dass sie in der Stadt noch nie zuvor so brutale Gewalt erlebt haben."

In dem Operations- und Behandlungszentrum, das Ärzte ohne Grenzen seit Dezember 2004 in Port au Prince betreibt, haben die Mediziner, darunter auch Chirurgen, über 3.100 Patienten versorgt. Mehr als 1.100 Patienten hatten Verletzungen aufgrund von Gewalt, darunter 861 Patienten mit Schusswunden, 126 mit Macheten- oder Messerstichen, 67 Opfer von Schlägen, und 40 Vergewaltigungsopfer. Die Hälfte der wegen derartiger Verletzungen Behandelten sind Frauen, Kinder oder ältere Menschen.

Hintergrundinformationen:

Weitere Informationen: Pressestelle, Petra Meyer, Christiane Löll, Tel: 030 / 22 33 77 00