Afghanistan

Gewalt gegen humanitäre Helfer nimmt zu - Ärzte ohne Grenzen stoppt Aktivitäten in Vertriebenenlager

Berlin/Kandahar, 4. Dezember 2003. Nach mehreren Angriffen auf humanitäre Organisationen stellt Ärzte ohne Grenzen die Aktivitäten in einem Vertriebenenlager im Süden Afghanistans ein. In diesem Lager mit mehr als 40.000 Menschen hat die Organisation Basisgesundheitsprojekte und ein Ernährungszentrum betreut. Der Rückzug der Helfer gefährdet den Zugang der Vertriebenen zu medizinischer Versorgung, da das Lager völlig abhängig von externer Hilfe ist.

Das Lager Zhare Dasht liegt in der Wüste, etwa 20 Kilometer von Kandahar entfernt. Es gibt keinerlei Möglichkeiten für die Bewohner, selbst für ihren Unterhalt zu sorgen. Erst kürzlich war in Zhare Dasht eine Diphtherie-Epidemie ausgebrochen. Ärzte ohne Grenzen hat zudem monatlich etwa 7.500 Patienten behandelt. Der nahende Winter hat Atemwegserkrankungen sowie Lungenentzündungen stark ansteigen lassen. Gerade für die schwächsten Patienten kann dies lebensbedrohliche Folgen haben. Der Rückzug von Ärzte ohne Grenzen bedeutet auch, dass die Schwangerenvorsorge sowie Impfkampagnen für Kinder und schwangere Frauen gestoppt werden müssen.

Ärzte ohne Grenzen untersucht derzeit, wie den Vertriebenen im südlichen Afghanistan trotz zunehmender Gewalt gegen Hilfsorganisationen geholfen werden kann. Erschwert wird die Arbeit der Helfer vor allem dadurch, dass alle Konfliktparteien dazu beigetragen haben, die Neutralität der Hilfsorganisationen infrage zu stellen. Dies führt dazu, dass die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, wenn sie sich außerhalb der Stadt Kandahar bewegen, ein zu hohes Risiko eingehen, angegriffen zu werden. Ärzte ohne Grenzen kritisiert die jüngsten Angriffe auf humanitäre Helfer aufs Schärfste.

Die Entscheidung von Ärzte ohne Grenzen, in Afghanistan zu arbeiten, basiert in erster Linie auf den Bedürfnissen der Menschen. Neutralität gegenüber den Konfliktparteien ist dabei oberstes Gebot. Die Sicherheit der eigenen Mitarbeiter und die Möglichkeit, den Menschen in Not zu helfen, hängt davon entscheidend ab.

Verschiedene Hilfsorganisationen haben in der Vergangenheit dazu aufgerufen, das Mandat der NATO-geführten Truppen auf andere Regionen auszuweiten, um die Sicherheit der Helfer zu gewährleisten. Nach Ansicht von Ärzte ohne Grenzen tragen solche Appelle dazu bei, das Bild der Hilfsorganisationen als unabhängige und neutrale Akteure zu verwischen. Ärzte ohne Grenzen fordert vielmehr von allen Konfliktparteien, dass sie die Neutralität und Unparteilichkeit der Helfer respektieren und dringend notwendige Hilfe für die Menschen in Afghanistan ermöglichen.

In der Stadt Kandahar und in anderen Regionen laufen die Projekte von Ärzte ohne Grenzen weiter.

Weitere Informationen: Pressestelle, Petra Meyer, Tel: 030-22 33 77 00