Tschad

Gewalt in Darfur: Ärzte ohne Grenzen unterstützt Flüchtlinge im Tschad

N‘Djamena/Berlin, 26. April 2013. Nach gewaltsamen Zusammenstößen in der sudanesischen Region Darfur sind rund 50.000 Menschen in das Gebiet um Tissi im Südosten des Tschad geflüchtet. Dort gibt es nicht ausreichend Nahrung, Wasser und Unterkünfte. Die grundlegende Versorgung der Flüchtlinge ist völlig unzureichend, warnt die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Es muss umgehend humanitäre Hilfe geleistet werden, bevor die Regenzeit den Zugang zu den Menschen erschwert.

„Die meisten der kürzlich eingetroffenen Flüchtlinge haben keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung, Nahrung oder sauberem Wasser. Sie leben unter Bäumen, die nur wenig Schatten spenden, und haben nichts, mit dem sie sich tagsüber gegen Staub und Hitze oder in der Nacht gegen Kälte schützen können", beschreibt Stefano Argenziano, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen. Unter den Flüchtlingen sind neben Sudanesen auch Personen aus dem Tschad und der Zentralafrikanischen Republik, die zuvor Zuflucht in Darfur gesucht hatten. Die meisten Vertriebenen sind Frauen und Kinder.

In voraussichtlich zwei Monaten beginnt in Tissi die Regenzeit. Es ist wahrscheinlich, dass sich der Gesundheitszustand der Flüchtlinge rasch verschlechtert, wodurch sie anfällig für Malaria, Mangelernährung und Epidemien werden. „Sobald die Regenzeit beginnt, haben wir über die Straße keinen Zugang mehr zu den Flüchtlinge, sie werden dann komplett abgeschnitten sein“, sagt Argenziano. „Wir bereiten uns auf einen Anstieg der Fälle von Malaria und Atemweginfektionen vor, und auch auf einen möglichen Ausbruch von Cholera.“

Im Gebiet um Tissi gibt es kein funktionierendes Krankenhaus. Ärzte ohne Grenzen hat in der Stadt eine Notaufnahme eingerichtet, in der Verwundete, Kinder unter fünf Jahren und schwangere Frauen behandelt werden. Bislang haben die Mitarbeiter dort 40 Patienten behandelt, die auf der Flucht von Kugeln oder Messern verletzt wurden. 24 weitere Patienten waren bei einem Verkehrsunfall verletzt worden. 18 schwer verletzte Patienten wurden stabilisiert und in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in die Stadt Abéché evakuiert. Ärzte ohne Grenzen hat außerdem die Kapazität der einzigen Trinkwasserquelle in Tissi ausgebaut und plant in der Umgebung der Stadt mobile Kliniken. Ein Notfallteam hat rund 30.200 Menschen unter 15 Jahren gegen Masern geimpft und 52 bereits Erkrankte behandelt. Rund 13.700 Kinder wurden auf Mangelernährung untersucht und 120 von ihnen in ein therapeutisches Ernährungsprogramm aufgenommen.

UN-Agenturen und die meisten Hilfsorganisationen zögern bislang, wegen der Nähe zur sudanesischen Grenze und Sicherheitsbedenken, in Tissi zu helfen. Keiner der Orte, an denen sich die Flüchtlinge niedergelassen haben, ist bislang offiziell als Flüchtlingslager anerkannt.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1983 im Tschad tätig und hat derzeit Hilfsprogramme in Am Timan, Abéché, Massakory und Moissala.