G8 Gipfel verabschiedet globalen Gesundheitsfond mit Alibicharakter

Genf/Berlin, 21. Juli 2001. Die Regierungen der G8 Staaten sowie der UN-Generalsekretär haben die Einrichtung eines globalen Gesundheitsfonds zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten in den Entwicklungsländern bekannt gegeben. Im Kampf gegen die Krankheiten in ärmeren Ländern werden aber weit mehr Mittel als bisher zugesagt benötigt.

Eine flexible Auslegung des internationalen Patentrechts: Dies gewährleistet, dass pharmazeutische Patente die Produktion und den Vertrieb bezahlbarer Medikamente nicht blockieren;

Der fehlende Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten, mit dem die Entwicklungsländer konfrontiert sind, stellt jedoch eine Krise dar, die nicht allein mit Hilfe eines weltweiten Fonds gelöst werden kann. Vielmehr ist ein fundamentaler Wandel innerhalb des pharmazeutischen Marktes notwendig, der mittels vielfältiger Strategien zu einem differenzierten Preismodell für Medikamente führt. Dies sollte folgende Maßnahmen beinhalten:

Es bleibt darüber hinaus weiterhin ungeklärt, wie der Fonds und die Verteilung der Gelder organisiert werden sollen. "Es existiert weder eine verbindliche Aussage darüber, wer über die Verwendung der Mittel entscheiden wird, noch für welche konkreten Maßnahmen das Geld verwendet werden soll. Eine Garantie dafür, dass die Mittel zum Einkauf der preisgünstigsten Medikamente genutzt werden, gibt es nicht, stellt Ellen `t Hoen von der medizinischen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fest. "Ohne diese grundlegenden Vereinbarungen wird es aber sehr lange dauern, bis der Fonds wirklich dazu beiträgt, Leben zu retten. Im gegenwärtigen Stadium ist er kaum mehr als Augenwischerei."

Seit einem Jahr arbeiten die G8 Länder an der Realisierung eines globalen Gesundheitsfonds. Während dieser Zeit sind 14 Millionen Menschen an übertragbaren Krankheiten gestorben - 90 Prozent davon in den Entwicklungsländern.

  • Die Förderung der Herstellung und des Gebrauchs von Nachahmerprodukten (Generika);
  • Ein gestaffeltes Preissystem, das es ermöglicht, die Arzneimittel für ärmere Länder erschwinglich zu machen;
  • Öffentliche Investitionen in Forschung und Entwicklung im Bereich vernachlässigter Krankheiten.

 

"Die reichsten Länder der Welt weigern sich, tatsächlich nachhaltige Lösungen für einen weltweiten Zugang zu Medikamenten zu suchen", sagt Ellen `t Hoen. "Der Fonds lässt zwar die reichsten Länder der Welt gut dastehen, wird aber in der Realität nur wenig Einfluss auf das Leben und die Gesundheit der Menschen haben."

Die Summe, die jetzt angekündigt wurde, wird den erforderlichen Anstrengungen in keiner Weise gerecht. Die bisherigen Zusagen von 1,2 Milliarden US-Dollar sind beschämend gering. Die Regierungen rufen zudem multinationale Konzerne und den Privatsektor auf, sich mit Zahlungen an dem Fonds zu beteiligen. Darunter sind auch pharmazeutische Konzerne, deren Preispolitik die gegenwärtige Krise mitverursacht.

Weitere Informationen: Pressestelle, Kattrin Lempp, 030-22 33 77 00 und: www.accessmed-msf.org