G8-Gipfel in Evian: Ärzte ohne Grenzen kritisiert "Aktionsplan des Stillstands" - Deutscher Beitrag zum Globalen Fonds beschämend

Evian/Berlin, 3. Juni 2003. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wirft den Regierungen der G8-Staaten vor, auf dem Gipfeltreffen in Evian die Gesundheitsinteressen der ärmeren Länder zu Gunsten der politischen und wirtschaftlichen Ziele der Teilnehmerstaaten geopfert zu haben. In dem am Montag verabschiedeten "Aktionsplan des Stillstands" sind die Forschung an Tropenkrankheiten sowie der dauerhafte Zugang zu kostengünstigen Medikamenten in ärmeren Ländern laut Ärzte ohne Grenzen zu leeren Versprechungen verkommen. Auch die langfristige Finanzierung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria sei nicht gewährleistet. Die Organisation fordert die deutsche Bundesregierung auf, ihren Beitrag im Jahr 2003 auf mindestens 100 Millionen US-Dollar zu erhöhen.

Die Organisation befürchtet, dass der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria Ende des Jahres seine Arbeit einstellen muss, wenn die Regierungen ihre finanziellen Zusagen nicht erfüllen. Allein in diesem Jahr fehlen dem Fonds 1,4 Milliarden US-Dollar, um seine Arbeit fortsetzen zu können. Die deutsche Regierung hat bisher lediglich zwölf Millionen US-Dollar in den Fonds einbezahlt. Damit stellt Deutschland das Schlusslicht unter den G8-Staaten dar. "Auch die kürzlich von der Bundesregierung gemachte Zusage, dem Fonds weitere 18 Millionen US-Dollar zur Verfügung zu stellen, ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die gehofft hatten, die Bundesregierung werde ihre Haltung zum Wohle der Menschen in ärmeren Ländern ändern", erklärte Tobias Luppe. "Damit wurde die ohnehin magere Zusage von 36 Millionen für das Jahr 2003 sogar noch um die Hälfte gekürzt. Wir fordern die Bundesregierung auf, ihren Beitrag auf mindestens 100 Millionen US-Dollar für das Jahr 2003 zu erhöhen."

Im Vorfeld des Gipfels hatte der Gastgeber Frankreich Arbeitsvorlagen zu einem "Aktionsplan für Gesundheit" vorgelegt. Darin waren konkrete Maßnahmen zur Versorgung der ärmeren Länder mit Medikamenten vorgesehen. Der am Montag verabschiedete Plan legt jedoch laut Ärzte ohne Grenzen einen eindeutigen Schwerpunkt auf die Bekämpfung der Lungenkrankheit SARS. Die Organisation kritisiert, dass Krankheiten, die vor allem Menschen in ärmeren Ländern betreffen, nicht mit demselben Engagement bekämpft werden wie SARS. "Um die US-amerikanische Regierung wohl zu stimmen, war man bereit, das Recht von Millionen Menschen auf Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten zu opfern", sagte Tobias Luppe von Ärzte ohne Grenzen. "Gern hat sich auch die deutsche Regierung dieser Taktik des französischen Präsidenten und Gastgebers Jacques Chirac angeschlossen", so Luppe.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Petra Meyer, Tel.: 030-22 33 77 00