Tansania

Lager für Flüchtlinge aus Burundi stößt an Kapazitätsgrenzen

Eine der mobilen Kliniken in dem überfüllten Flüchtlingslager Nyarugusu, die Ärzte ohne Grenzen zusammen mit dem Tansanischen Roten Kreuz leitet. Die Teams behandeln täglich zwischen 100 und 250 Patienten - darunter viele Kinder.

Berlin, 20. Juli 2015. Wöchentlich fliehen zwischen 2.000 und 3.000 Menschen* vor den politischen Unruhen in Burundi und suchen Zuflucht im benachbarten Tansania. Die Kapazitätsgrenzen des bereits überfüllten Flüchtlingslagers Nyarugusu sind nun erreicht, sagt Sita Cacioppe, Nothilfekoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Tansania.

Aufgrund des Zustroms an Menschen, steigt der Bedarf an Hilfe immer mehr an, und Hilfsorganisationen vor Ort haben Mühe, ausreichend Nahrungsmittel, Wasser und Unterkünfte für die Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen sowie die medizinische Versorgung zu gewährleisten.

Jeden Tag überqueren bis zu 1.000 Menschen die bewaldete Grenze zwischen Burundi und Tansania. Viele fliehen zu Fuß im Schutz der Dunkelheit, ohne jegliches Hab und Gut. Derzeit halten sich rund 78.000 Burundier im Lager Nyarugusu auf, wo außerdem bereits rund 64.000 kongolesische Flüchtlinge leben, die 1997 vor dem Bürgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo geflohen sind. Das damals errichtete Flüchtlingslager war für maximal 50.000 Menschen ausgelegt. Heute beherbergt es fast dreimal so viele Menschen.

„Wegen des Platzmangels werden die Flüchtlinge teils über mehrere Monate in Massenunterkünften untergebracht, die eigentlich als Übergangslösung gedacht waren, bis ein Zelt für sie verfügbar ist“, berichtet Sita Cacioppe. „Unsere Teams berichten von über 200 Menschen, die in einem 8 x 22 Meter großen Zelt zusammengepfercht waren – das ist weniger als ein Quadratmeter pro Person.“

Im Mai hatte Ärzte ohne Grenzen ein Cholera-Behandlungszentrum im Lager errichtet, nachdem die Krankheit dort ausgebrochen war. Seitdem haben die Teams mehr als 107.000 Menschen gegen Cholera geimpft und verteilen täglich 270.000 Liter Trinkwasser an fünf Ausgabestellen im Lager.

Neben dem Tansanischen Roten Kreuz betreibt auch Ärzte ohne Grenzen mobile Kliniken, um den Flüchtlingen eine grundlegende medizinische Versorgung zur Verfügung zu stellen. Schwer kranke Patienten werden ins vom Tansanischen Roten Kreuz betriebene Krankenhaus überweisen. Die häufigsten Beschwerden sind Malaria, Durchfall und Atemwegerkrankungen, da die Nächte kalt sind und das Camp sehr staubig ist. Im Krankenhaus betreiben die Teams von Ärzte ohne Grenzen eine therapeutische Ernährungsstation mit 30 Betten für schwer akut mangelernährte Kinder.

„Den Flüchtlingen müssen dringend neue Gebiete zugewiesen werden, wo sie sich niederlassen können, damit sie unter humaneren Bedingungen leben können“, sagt Sita Cacioppe.

* Korrektur vom 22.07.2015