Haiti

Eskalation der Gewalt in Haiti - Ärzte ohne Grenzen fordert Schutz der Zivilbevölkerung

Berlin/Port au Prince, 19. Januar 2006. Angesichts der zunehmenden Gewalt in Haiti fordert die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen die bewaffneten Gruppen auf, die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu garantieren und Verwundeten sofortigen Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen. Darüber hinaus muss die Sicherheit der Mitarbeiter von Hilfsorganisationen gewährleistet werden. Die gewalttätigen Konflikte hatten sich in den vergangenen Wochen in der Hauptstadt Port au Prince ausgeweitet.

In den Krankenhäusern, die von Ärzte ohne Grenzen unterstützt werden, ist die Zahl der Patienten mit Schussverletzungen und Stichwunden in den vergangenen Wochen stark angestiegen. Im Dezember 2005 behandelten die Mitarbeiter in Haitis Hauptstadt mehr als 220 bei Schusswechseln verletzte Menschen. Im Monat zuvor waren es noch 147 gewesen. Die Hälfte der Behandelten waren Frauen, Kinder oder ältere Menschen.

Ärzte ohne Grenzen hat bereits im vergangenen Jahr mehrfach auf die verzweifelte Situation der Einwohner von Port au Prince aufmerksam gemacht.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen hatte zunächst im Dezember 2004 ein Operations- und Behandlungszentrum in Port au Prince eröffnet. Seitdem wurden im St. Joseph’s Krankenhaus rund 2.500 Patienten wegen Gewaltverletzungen behandelt. Mehr als 1.500 Menschen kamen mit Schussverletzungen, etwa 500 mit Stichwunden. Seit August 2005 betreibt die Organisation zwei weitere Einrichtungen in dem stark von Gewalt betroffenen Unruheviertel Cité Soleil in Haitis Hauptstadt. Im Choscal Krankenhaus und im Gesundheitszentrum wurden allein in den ersten drei Monaten nach Eröffnung rund 12.000 Konsultationen und 800 Noteingriffe durchgeführt.

"Die Einwohner von Port au Prince leben in permanenter Angst", sagt Ali Besnaci, Projektverantwortlicher in Haitis Hauptstadt. Die Patienten von Ärzte ohne Grenzen kommen aus verschiedensten Bezirken der Stadt. Viele Verletzte erreichen die Krankenhäuser jedoch gar nicht erst. "Sie sind entweder zu verängstigt, um zu uns zu kommen oder es wird ihnen schlicht nicht erlaubt", sagt Besnaci. "Das ist völlig inakzeptabel."

Weitere Informationen: Pressestelle, Svenja Kühnel, Christiane Löll, Tel: 030 / 22 33 77 00