Erleichterung und Kritik nach Freilassung von Ärzte ohne Grenzen-Mitarbeiter - Einschüchterung und Gewalt gegenüber humanitären Helfern im Kaukasus halten an

Moskau/Berlin, 14. April 2004. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist erleichtert, dass ihr Mitarbeiter Arjan Erkel am Sonntag, 11. April 2004, nach 20 Monaten Geiselhaft im Nordkaukasus freigelassen wurde. Gleichzeitig betont die Organisation die schwerwiegenden Auswirkungen der Entführung, die wirkungsvolle Hilfe für die vom Krieg betroffene Zivilbevölkerung in der Region nahezu unmöglich gemacht hat.

"Ärzte ohne Grenzen ist sehr froh, dass Arjan endlich wieder zu Hause ist", sagte Dr. Rowan Gillies, internationaler Präsident der Organisation. "Wir dürfen aber nicht vergessen, dass sowohl Arjan als auch unzählige andere einen hohen Preis zu zahlen hatten. Denn die Entführung unseres Kollegen hat dazu geführt, dass Hilfsprogramme für Vertriebene und die vom Krieg betroffenen Menschen in der Region drastisch eingeschränkt werden mussten. Die Verschleppung hat das seit Jahren herrschende Klima der Einschüchterung gegen humanitäre Helfer verstärkt."

Arjan Erkel war am 12. August 2002 in Dagestan, einer Republik der Russischen Föderation, entführt worden. Der Niederländer leitete ein medizinisches Hilfsprogramm für die vom Tschetschenienkonflikt betroffene Zivilbevölkerung in Tschetschenien und Dagestan.

Ärzte ohne Grenzen war gezwungen, eine private russische Sicherheitsfirma anzuheuern, um Erkels Freilassung zu erreichen. Dies verdeutlicht nach Ansicht der Organisation, dass die russische Regierung sowie ihre Partner und Verbündeten das Klima der Gewalt im Nordkaukasus nach wie vor dulden.

Gewaltakte und Drohungen gegen humanitäre Organisationen sind im Nordkaukasus seit Jahren an der Tagesordnung. Seit 1995 wurden mehr als 50 internationale humanitäre Helfer entführt. "So kann es nicht weitergehen," betonte Rowan Gillies. "Es liegt in der Verantwortung des Gastlandes, die Situation umgehend zu verbessern."

Ärzte ohne Grenzen dankt allen, die Solidarität mit Arjan gezeigt haben, besonders den Hunderttausenden Unterzeichnern der Petition sowie den zahlreichen Vertretern von Organisationen und Regierungen.

Weitere Informationen: Pressestelle, Stephan Große Rüschkamp
Tel.: 030-22 33 77 00