Iran

Erdbeben im Iran: Team von Ärzte ohne Grenzen vor Ort, weiteres Personal und Hilfsgüter auf dem Weg

Paris/Berlin, 27.12.2003. Ein Ärzteteam der medizinischen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen arbeitet bereits in der iranischen Erdbebenregion Bam. Zwei Ärzte und eine Krankenschwester sind vor Ort, elf weitere Mitarbeiter befinden sich auf dem Weg, darunter auch drei Nierenspezialisten.

Zehn Tonnen Hilfsgüter mit Medikamenten, medizinischem Material sowie 5.000 Wasserkanistern wurden noch am Samstag von Europa aus in die Region geschickt. Darüber hinaus sind bereits medizinische Hilfsgüter aus Lagern der Organisation in Teheran und Bagdad unterwegs nach Bam. Darunter befinden sich neben medizinischen und chirurgischen Materialien auch 19.000 Decken. Weitere 26.000 Decken werden am Sonntag von Dubai aus in die Erdbebenregion geschickt.

Die Bedürfnisse in der 110.000 Einwohner zählenden Stadt Bam sind gewaltig. Die Stadt ist beinahe völlig zerstört, auch die beiden Krankenhäuser sind betroffen. Zwei medizinische Einrichtungen, die sofort nach dem Erdbeben aufgebaut wurden, sind bereits überfüllt und verfügen kaum noch über Wasser, Strom oder Medikamente. Am Flughafen von Bam wurde ein Feldkrankenhaus errichtet, um Verwundete nach Kerman, Ispashan, Zahedan und Bandar Abbas zu evakuieren.

Bereits am Freitag war ein erstes medizinisches Team von Ärzte ohne Grenzen in Bam eingetroffen, um gemeinsam mit Kollegen des Iranischen Halbmondes die Situation vor Ort zu analysieren. Das Team arbeitet derzeit in den beiden provisorischen medizinischen Einrichtungen.

Die Nierenspezialisten werden nach ihrer Ankunft voraussichtlich im Krankenhaus von Kerman eingesetzt. Ihr Einsatz ist notwendig, da bei Verschütteten die Gefahr des so genannten Crush-Syndroms besteht. Infolge der Verschüttungen können Eiweißpartikel aus dem gequetschten Muskelgewebe die feinen Gefäße der Nieren verstopfen und zu Nierenversagen führen. Nur eine schnell eingeleitete Dialyse-Therapie kann das Überleben dieser Menschen sichern.

Die anderen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen werden in Nachbardörfern die Verwundeten medizinisch versorgen. Es ist zurzeit unmöglich, genaue Angaben über die Zahl der Verletzten zu geben. Schätzungen gehen von mehr als 100.000 Verwundeten aus. Unterkünfte, Decken und Trinkwasser sind dringend notwendig für das Überleben der Menschen in der Region. Nachts fallen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1995 im Iran, zurzeit vor allem in den Regionen Mashad und Zahedan, wo afghanische Flüchtlinge untergebracht sind. Die Organisation war auch während des Erdbebens 1990 im Iran tätig.

Weitere Informationen: Pressestelle, Petra Meyer, 030- 22 33 77 0