Entführungsfall Arjan Erkel: Seit einem Jahr vermisst - Ärzte ohne Grenzen fordert aktivere Rolle der russischen Regierung

Moskau/Berlin, 12. August 2003. Ein Jahr nach der Entführung ihres Mitarbeiters Arjan Erkel hält Ärzte ohne Grenzen die laufenden Ermittlungen des Falles für gescheitert. Die Organisation ist entrüstet darüber, dass der Fall noch immer nicht geklärt ist und fordert die russischen Behörden auf, eine aktivere Rolle bei der Lösung des Falls zu übernehmen. Der Niederländer Erkel wurde am 12. August 2002 in Dagestan, einer Republik der RussischenFöderation, entführt.

Für Ärzte ohne Grenzen ist Arjan Erkel ein Symbol für die Gefährdung der humanitären Hilfe im Nordkaukasus. Die gesamte humanitäre Gemeinschaft sei zur Geisel von Gewalt und Unsicherheit in der Region geworden. Ärzte ohne Grenzen fordert die russischen Behörden auf, ihre Anstrengungen drastisch zu verstärken, Arjan Erkel sicher zu seiner Familie und seinen Freunden zurückzubringen.

Die Hilfsorganisation ist zudem enttäuscht über die zurückhaltende Position der niederländischen Regierung gegenüber den russischen Behörden. Darüber hinaus kritisiert Ärzte ohne Grenzen die geringe Unterstützung insbesondere der westlichen Staaten. "Es ist uns unverständlich, warum die Regierungen im vergangenen Jahr so zurückhaltend waren, die russischen Behörden für ihr fehlenden Engagement bei der Lösung des Falls verantwortlich zu machen", betonte Rostrup.

Während des EU-Russland-Gipfels in St. Petersburg im Mai 2003 hatte Präsident Putin dem niederländischen Premierminister versichert, dass er die russischen Dienste anweisen werde, den Fall zu lösen. Bis heute jedoch ist der Fall nicht aufgeklärt. Anlässlich des Jahrestags der Entführung erinnert Ärzte ohne Grenzen die russischen Behörden an ihre Verantwortung für den Fall.

"Es ist ein Skandal, dass unser Kollege Arjan Erkel nach einem Jahr noch immer vermisst wird", sagte Morten Rostrup, internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen. Seiner Ansicht nach ist dies auf die mangelhafte Untersuchung und das geringe Engagement der russischen Behörden zurückzuführen. Selbst die Tatsache, dass zwei Geheimdienstagenten die Entführung beobachtet hatten, hat Rostrup zufolge die russischen Behörden nicht zur Lösung des Falls motiviert. "Zu unserer großen Überraschung wurde die Untersuchung im November 2002 eingestellt und erst im Mai 2003 wieder aufgenommen. Dies wurde uns allerdings nicht mitgeteilt. Im Gegenteil, die russischen Behörden versicherten uns in der Zeit, sie würden alles in ihrer Macht Stehende tun, um Arjans Freilassung zu erreichen", sagte Rostrup.

Filmmaterial ist ab 17.00 bei der EBU in Genf zu beziehen.

Interviewanfragen: Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel: 030-22 33 77 00