Elfenbeinküste

Elfenbeinküste: Gewalt gegen Zivilisten in der ehemaligen "Vertrauenszone"

Berlin/Brüssel, 25. April 2007. Eine Woche nach dem Beginn der Auflösung der UN-kontrollierten "Vertrauenszone" zwischen Rebellen- und Regierungsgebieten in der Elfenbeinküste kommt es verstärkt zu gewaltsamen Übergriffen auf Zivilisten. Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichten über tägliche Angriffe in der Gegend um die Stadt Bangolo im Innern des Landes. Dies betrifft sowohl Bewohner dieser Region als auch Reisende. Übergriffe auf Kleinbusse, Raubüberfälle, Morde und Vergewaltigungen haben den Berichten zufolge alarmierend zugenommen.

Die "Zone de Confiance" wurde als UN-kontrollierte Pufferzone zwischen den kämpfenden Gruppen im Norden und Süden eingerichtet und teilt die Elfenbeinküste seit mehreren Jahren. Im Rahmen des Friedensprozesses haben die UN-Friedenstruppen und die französische Armee als neutrale Kräfte am 16. April damit begonnen, ihre Präsenz und Aktivitäten dort einzuschränken. Seit diesem Tag hat die Gewalt gegen Zivilisten in der Region um Bangolo jedoch zugenommen. Ärzte ohne Grenzen arbeitet dort seit 2004 in einem Krankenhaus und organisiert mobile Kliniken in Nachbardörfern.

"Die Sicherheitslage in der Gegend um Bangolo war in den vergangenen zwei Jahren ohnehin schlecht, obwohl die neutralen Kräfte anwesend waren. Sie sollten ein Minimum an Frieden und Sicherheit bringen", sagt Stefan Goetghebuer von Ärzte ohne Grenzen in Brüssel. Der Programmleiter ist gerade von einem Besuch in der Elfenbeinküste zurückgekommen. "Doch nun werden die Aktivitäten dieser Kräfte zurückgefahren und die Bewohner dieser Zone bleiben schutzlos zurück." Über die Gewalt in der Region hat Ärzte ohne Grenzen Augenzeugenberichte gesammelt, die als Dokumentation dienen sollen ("People are left defenceless. Testimonies from Ivory Coast").

Bewaffnete Gruppen um Bangolo schaffen mit ihren täglich zunehmenden Attacken ein Klima der Angst. Die meisten Übergriffe betreffen Ärzte ohne Grenzen zufolge die Hauptroute zwischen den Orten Man und Duékoué. Alle Fahrzeuge, darunter auch Fahrräder, werden mit Waffengewalt angehalten und die Menschen ausgeraubt. Oft werden Frauen bei diesen Überfällen vergewaltigt. Bislang hat sich Ärzte ohne Grenzen um sechs Frauen gekümmert, die auf diese Weise Opfer sexueller Gewalt geworden sind. In der Stadt Bangolo selbst kommt es vor allem nachts zu Übergriffen. Ein Teil der Bevölkerung flieht daher in den Busch oder sucht Zuflucht im Krankenhaus, das von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wird. Dort wurden seit diesem Januar mehr als 30 Menschen behandelt, die durch Schüsse verwundet worden waren.

"Während der politische Prozess in der Elfenbeinküste mit Optimismus begleitet wird, leiden die Menschen in der Zone immer stärker unter bewaffneter Gewalt, die noch nie wirklich unter Kontrolle gebracht wurde", sagt Goetghebuer. Der Abbau der Truppen in der Vertrauenszone bringt keinerlei Erleichterung für eine Gegend, in der Wellen von Gewalt das tägliche Leben bestimmen. Durch das entstehende Machtvakuum muss mit einer Verschlechterung der Situation gerechnet werden.

Ärzte ohne Grenzen ist die einzige humanitäre Organisation, die in dieser Gegend durchgehend Hilfe leistet. Das Team behandelt monatlich rund 4.300 Patienten. Die Organisation begann 2004 mit diesem Einsatz, weil die Menschen dort keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung haben und immer wieder Opfer von Gewalt werden.

 

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, Svenja Kühnel, Tel.: 030-22 33 77 00