Elfenbeinküste

Elfenbeinküste: Deutliche Verschlechterung der Situation im Westen des Landes - Ärzte ohne Grenzen appelliert an alle Konfliktparteien, Zugang zu Patienten zu ermöglichen

Elfenbeinküste/Liberia, 4. März 2011 - Die internationale medizinische Organisation Ärzte ohne Grenzen ist äußerst besorgt über die sich verschlechternde Situation im Westen der Elfenbeinküste an der Grenze zu Liberia. Die Bevölkerung flieht und medizinisches Personal verlässt die Gesundheitseinrichtungen. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen passen ihre Arbeit der wachsenden Gewalt an und fordern alle Konfliktparteien dazu auf, den Teams Zugang zu den Patienten zu ermöglichen - unabhängig von deren Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe.

Im Westen der Elfenbeinküste, wo das medizinische Personal die Gesundheitseinrichungen verlassen hat, hat ein mobiles Team von Ärzte ohne Grenzen im Norden des Distrikts Duékoué begonnen, medinzinische Hilfe anzubieten. Am 3. März musste die Organisation jedoch aus Sicherheitsgründen die Arbeit aussetzen. Von dort und aus der Umgebung der Stadt Toulepleu, die in der Nähe der liberianischen Grenze liegt und gegenwärtig nicht erreichbar ist, fliehen die Menschen.

Ärzte ohne Grenzen ist seit Dezember vergangenen Jahres in der Elfenbeinküste und leistet in der Stadt Guiglo und in einem Lager in Duékoué, in dem 12.000 Vertriebene leben, Hilfe. Seit fünf Wochen arbeiten zudem Mitarbeiter der Organisation im Krankenhaus in Duékoué und behandeln dort 63 verwundete Patienten. Nachdem das ursprüngliche Personal zurückgekehrt ist, wurden das chirurgische Team von Ärzte ohne Grenzen abgezogen - die Organisation findet dort aber weiterhin Beratung bei  Konsulationen statt.

In der Stadt Danané in der Nähe der liberianischen Grenze hat Ärzte ohne Grenzen in der vergangengen Woche zehn verletzte Patienten behandelt. Auch in Abidjan verschlechtert sich die Lage besorgniserregend. Ärzte ohne Grenzen unterstützt dort Krankenhäuser.

In Liberia sind im Distrikt Nimba inzwischen 70.000 Flüchtlinge aus der Elfenbeinküste registriert. Ärzte ohne Grenzen hat die Untersützung für sie und die lokale Bevölkerung verstärkt. Die Organisation leistet Hilfe für die Gesundheitseinrichtungen, betreibt mobile Kliniken und unterhält eine medizinische Einrichtung im Flüchtlingslager in der Gemeinde Bahn.

"Wir erleben in Liberia seit dem 24. Februar eine zweite Flüchtlingswelle", so Helga Ritter, Landeskoordinatorin in Liberia. "Die Menschen ängstigen sich und sprechen nicht von Rückkehr. Und sie machen sich um die Zurückbleibenden in der Elfenbeinküste Sorgen. Es ist wichtig, weiterhin Hilfe zu leisten, wo auch immer Flüchtlinge sind und wo auch immer die lokale Bevölkerung angesichts der zunehmenden Zahl von Menschen Unterstützung braucht."

Ärzte ohne Grenzen hat das erste Projekt in der Elfenbeinküste 1991 eröffnet. Bis 2007 haben Teams im MACA-Gefängnis in Abidjan, im Krankenhaus von Bouaké sowie in den westlichen Regionen in den Kliniken in Danané, Man, Bangolo und Zouan Hounien gearbeitet. Während dieser Krisenzeit operierte Ärzte ohne Grenzen Verletzte, führte ein Programm gegen Mangelernährung durch sowie ein integriertes HIV/Aids Projekt mit Tuberkulose-Behandlungen. Im September 2007 verließ die Organisation die Elfenbeinküste, nachdem sich die Lage stabilisiert hatte. In Liberia arbeitet Ärzte ohne Grenzen seit 1990. 2010 übergab die Organisation die letzten Gesundheitsprogramme an die dortigen Behörden. Ärzte ohne Grenzen arbeitet weiterhin in Monrovia und unterstützt dort soziale Einrichtungen und das Gesundheitsministerium bei der medzinischen Hilfe für Opfer sexueller Gewalt.