Elfenbeinküste

Elfenbeinküste: Ärzte ohne Grenzen warnt vor Versorgungskrise im Westen des Landes

Abidjan/Berlin, 10. Juli 2003. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist sehr besorgt über die humanitäre Situation im Westen der Elfenbeinküste. Dort haben Krieg und Gewalt die Lage verschärft. Ärzte ohne Grenzen befürchtet eine Zunahme von Krankheiten und Unterernährung sowie dramatisch steigende Sterblichkeitsraten. Die Organisation ruft die Verantwortlichen auf, schnell eine angemessene Gesundheitsversorgung sowie ausreichend Nahrungsmittel bereitzustellen.

Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen ist im Westen der Elfenbeinküste das qualifizierte medizinische Personal größtenteils vor der Gewalt geflohen. Die meisten Gesundheitseinrichtungen wurden zerstört und geplündert. Die Aufteilung des Landes unter verschiedenen Konfliktparteien hat zudem zu Versorgungsengpässen mit Medikamenten und medizinischem Material geführt. Obwohl einige Hilfsorganisationen derzeit versuchen, den Bedürfnissen gerecht zu werden, können wichtige Gesundheitsprogramme wie Impfkampagnen oder Projekte zur Bekämpfung von Tuberkulose nicht weiter durchgeführt werden.

Derzeit betreut Ärzte ohne Grenzen u.a. mehr als 500 unterernährte Kinder in mehreren Ernährungszentren im Westen des Landes. Aufgrund der andauernden Unsicherheit in der Region wurden die Felder nicht bestellt, und die Ernte wird möglicherweise ausfallen. Bislang haben Behörden und internationale Hilfsorganisationen nur sehr eingeschränkt Nahrungsmittel verteilt. Ärzte ohne Grenzen befürchtet eine Zunahme der Unterernährung, wenn nicht schnell mit der Nahrungsmittelverteilung begonnen wird.

Der Zusammenbruch des Gesundheitssystems kommt zu einem Zeitpunkt, da die Zivilbevölkerung aufgrund von Krieg und Gewalt bereits geschwächt ist. Viele Patienten in den mobilen Kliniken von Ärzte ohne Grenzen berichten, dass ihre Dörfer von bewaffneten Gruppen angegriffen und ihre Häuser und Nahrungsmittelvorräte niedergebrannt wurden. "Die Menschen sind in die Wälder geflohen, viele Familien wurden getrennt. Sie kommen jetzt langsam aus ihren Verstecken und brauchen dringend medizinische Hilfe", sagte Nelke Manders, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in der Elfenbeinküste. "Die Menschen leben schutzlos in den Wäldern, sie haben kein sauberes Trinkwasser und nicht genügend zu essen. Das macht sie anfällig für Krankheiten wie Malaria und Hautkrankheiten sowie Unterernährung."

Im April 2003 hat Ärzte ohne Grenzen mobile Kliniken in den Distrikten Man und Danané eröffnet. Zudem unterstützt die Organisation das Krankenhaus in Man, wo die Mitarbeiter schwer unterernährte Kinder in einem Ernährungszentrum versorgen. Ein weiteres Ernährungszentrum wird in Guiglo betreut. In Toulepleu unterstützen die Teams ein Gesundheitszentrum.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00