Vietnam

Eindämmung von SARS in Vietnam erfolgreich Ärzte ohne Grenzen zieht Team zurück

Brüssel/Berlin, 30. April 2003. Die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen zieht ihr sechsköpfiges Team aus Hanoi zurück, das an der Bekämpfung der Viruskrankheit SARS teilgenommen hatte. Am 28. April hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Vietnam als erstes Land von der Liste betroffener Staaten gestrichen. 22 Tage lang hatte es keine neuen Krankheitsfälle gegeben. Nach Ansicht von Ärzte ohne Grenzen ist die erfolgreiche Eindämmung der Krankheit darauf zurückzuführen, dass die vietnamesische Regierung sehr schnell und offen reagiert hat. Zudem sei die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Behörden, der WHO, den Krankenhäusern und Ärzte ohne Grenzen sehr positiv gewesen.

Aufgrund seiner in Vietnam gewonnenen Erfahrungen konzipiert das Team von Ärzte ohne Grenzen nun einen speziellen "SARS-Kit". Dieser Baukasten wird mit speziell für die Behandlung der Lungenkrankheit ausgewähltem medizinischen Material bestückt. Zudem erarbeiten die Mitarbeiter Richtlinien für Krankenhäuser, die SARS-Patienten behandeln. Diese Unterlagen sollen anschließend dem Pflegepersonal in anderen Ländern zur Verfügung gestellt werden.

"Wir konnten in Vietnam wertvolle Erfahrungen im Umgang mit SARS sammeln. Während die Viruskrankheit hier eingedämmt werden konnte, steigen die Krankheitsfälle in anderen Regionen Südostasiens weiter an. Wir hoffen, dass die in Hanoi gewonnenen Kenntnisse auch für andere betroffene Länder nützlich sein werden", hofft Dan Semand.

Ein anderer wichtiger Teil der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen im Bach Mai Krankenhaus bestand in der psychologischen Unterstützung von Patienten und Personal. Sowohl die SARS-Patienten und ihre Familien als auch das Pflegepersonal standen unter großem Stress, der aus der Angst vor einer Ansteckung und der daraus resultierenden Ausgrenzung aus ihrer Gemeinschaft resultierte.

Bis zum 8. April waren 63 SARS-Fälle aufgetreten. Ein großer Teil davon waren Mitarbeiter eines französischen Krankenhauses. Fünf Menschen starben an der Krankheit. "Mittlerweile gibt es in der Klinik nur noch einen SARS-Patienten und der befindet sich außer Lebensgefahr", so Sermand weiter.

Das Team von Ärzte ohne Grenzen, das jetzt aus Hanoi abberufen wurde, hatte dort seit dem 19. März im Bach Mai Krankenhaus gearbeitet. Die Mitarbeiter hatten eine Quarantänestation eingerichtet und Personal darin ausgebildet, Patienten zu isolieren und sich selbst vor einer Ansteckung zu schützen: "Als die Epidemie ausbrach, hatte das Pflegepersonal kaum Erfahrung in den notwendigen Schutztechniken. Wir haben sie geschult und zudem eingeführt, dass der Zutritt zur Klinik systematisch überwacht wird, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Alle SARS-Patienten wurden nur in dieses eine Krankenhaus eingewiesen. Dies trug wesentlich dazu bei, die Epidemie unter Kontrolle zu bringen", berichtet der Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen, Dan Sermand.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00