Demokratische Republik Kongo

D.R. Kongo: Sexuelle Gewalt als Kriegswaffe

Berlin, 5. April 2004. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist sehr besorgt über die anhaltende sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen in der Demokratischen Republik Kongo. In einem neuen Bericht dokumentiert die Organisation, welche Folgen Vergewaltigung haben und wie den Frauen geholfen werden kann. Straffreiheit und die schlechte Sicherheitslage führen auch noch ein Jahr nach dem Friedensabkommen dazu, dass sexuelle Gewalt in der D. R. Kongo an der Tagesordnung ist.

In dem Bericht mit dem Titel "I have no joy, no peace of mind" beschreibt Ärzte ohne Grenzen die medizinischen, psychosozialen und sozioökonomischen Auswirkungen sexueller Gewalt in der D.R. Kongo und zeigt auf, wie Vergewaltigungen als Kriegswaffe eingesetzt werden. Der Bericht basiert auf medizinischen Fakten und Beispielen von Vergewaltigungsopfern, die in einem Gesundheitszentrum in Baraka in der Provinz Süd-Kivu von der Organisation behandelt wurden. Auch in anderen Teilen der D.R. Kongo ist Vergewaltigung ein weit verbreitetes Verbrechen.

Seit August 2003 haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Baraka mehr als 600 Betroffene sexueller Gewalt behandelt. "Die Straffreiheit der Täter ist inakzeptabel und ein Hauptgrund dafür, dass es so häufig zu sexueller Gewalt kommt", sagte Maria José Mora von Ärzte ohne Grenzen. "Die politischen Akteure haben Vergewaltigung zwar öffentlich verurteilt und sich verpflichtet, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Bisher ist es jedoch bei schönen Worten geblieben."

Ein vierjähriges Mädchen ist die jüngste Patientin, die Ärzte ohne Grenzen nach einer Vergewaltigung behandelt hat. Die älteste Patientin ist eine 70jährige Frau, die vor den Augen ihrer Kinder von drei Männern vergewaltigt wurde. Zu den medizinischen Folgen sexueller Gewalt gehören ein erhöhtes Risiko von HIV/Aids, körperliche Verletzungen und schwerwiegende gynäkologische Komplikationen. Die Frauen leiden unter Ängsten und Albträumen, werden von ihrer Dorfgemeinschaft häufig ausgegrenzt und von ihren Ehemännern verstoßen.

Die zahllosen Betroffenen brauchen nach Ansicht von Ärzte ohne Grenzen dringend mehr Hilfe. Ebenso wichtig sei ein nationales Protokoll zur angemessenen Behandlung der Opfer sexueller Gewalt. Ihre medizinische Behandlung müsse zudem in den Wiederaufbau der Gesundheitsstrukturen integriert werden.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1981 in der Demokratischen Republik Kongo tätig. Zurzeit laufen medizinische Projekte in acht der zehn Provinzen des Landes und in der Hauptstadt Kinshasa. Arbeitsschwerpunkte sind u.a. Basisgesundheitsversorgung und Bekämpfung von Epidemien.

TV-Material ist über die Pressestelle erhältlich.

Weitere Informationen: Pressestelle Berlin, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00