Demokratische Republik Kongo

D.R. Kongo: Katastrophale Gesundheitsversorgung - Ärzte ohne Grenzen veröffentlicht Bericht

Berlin/Kinshasa, 15. November 2005. Obwohl in Teilen der Demokratischen Republik Kongo Frieden eingekehrt ist, bleibt die Gesundheitsversorgung einem Bericht von Ärzte ohne Grenzen zufolge katastrophal. Nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation ist die Sterblichkeitsrate in der Bevölkerung extrem hoch. In einigen Regionen gibt es kaum medizinische Hilfe, und selbst dort, wo sie existiert, können die meisten sie nicht bezahlen. Der Bericht von Ärzte ohne Grenzen "Access to healthcare, mortality and violence in DRC" wurde am Dienstag veröffentlicht.

Die Ergebnisse der Studie in fünf kongolesischen Regionen sind sehr Besorgnis erregend. In Basankusu, Inongo, Lubutu übersteigt die Sterblichkeitsrate die Notfallschwelle von täglich zwei Todesfällen je 10.000 Menschen. "Dies betrifft auch Regionen, in denen die gewalttätigen Konflikte längst vorbei sind", sagt Meinie Nicolai, Programmleiterin von Ärzte ohne Grenzen. "Erbärmliche Armut und äußerst schwierige Lebensumstände fordern genauso viele Leben." Ein Großteil der Opfer stirbt an behandelbaren Infektionskrankheiten wie Malaria, Atemwegsinfektionen und Durchfallerkrankungen.

Doch die Kosten sind nicht das einzige Hindernis für den Zugang zur medizinischen Versorgung. Das gesamte Gesundheitssystem ist vernachlässigt worden und wird den Bedürfnissen der Menschen nicht gerecht. Die Arbeitsbedingungen des Gesundheitspersonals sind schlecht. Darüber hinaus erschweren die Größe des Landes und die schlechte Infrastruktur den Weg in die Gesundheitszentren. Kommen die Patienten dort an, gibt es oft keine Medikamente.

Dem Bericht von Ärzte ohne Grenzen zufolge haben zwischen 45 und 67 Prozent der Befragten keinerlei Zugang zu medizinischer Versorgung, weil sie die Gesundheitsdienste nicht bezahlen können. Die meisten Kongolesen leben von 0,3 US-Dollar am Tag, einem Betrag, den die Kosten für medizinische Hilfe meist übersteigen. Eine Behandlung kostet in den untersuchten Gebieten zwischen 0,4 und 4,2 US-Dollar. Deshalb suchen die Menschen die Gesundheitszentren oft erst auf, wenn es schon zu spät ist. "Selbst eine sehr geringe Gebühr bedeutet eine unüberwindbare Hürde für die Patienten", sagt Nicolai.

Zu einem Zeitpunkt, da die Demokratische Republik Kongo und die internationale Gemeinschaft am Aufbau des Landes arbeiten, dürfen nationale und internationale Akteure die Augen vor der dramatischen Lage nicht verschließen. Bereits 2001 hatte Ärzte ohne Grenzen noch zu Kriegszeiten in den fünf Regionen Studien zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung vorgenommen. Die Ergebnisse des aktuellen Berichts zeigen, dass sich die Lage seither noch verschlechtert hat. Befragt wurden 4.900 Familien. In den Regionen Basankusu, Inongo, Lubutu, Kilwa und Bunkeya leben rund 735.700 Menschen.

Weitere Informationen: Pressestelle, Svenja Kühnel, 030-22 33 77 00