Demokratische Republik Kongo

D.R. Kongo: Bewaffnete kongolesische Soldaten dringen in Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Hauts Plateaux ein und nehmen Verwundete mit

Bukavu/Berlin, 18. März 2010. Die medizinische Nothilfeorganisation Ärzte ohne Grenzen verurteilt den schwerwiegenden Vorfall, der sich im abgelegenen Dorf Katanga in der Region Hauts Plateaux in Südkivu am vergangenen Donnerstag, dem 11. März, ereignete. Bewaffnete Soldaten der kongolesischen Armee (FARDC) drangen in das Krankenhaus von Katanga ein, in dem ein Chirurgen-Team von Ärzte ohne Grenzen Verwundete medizinisch versorgte. Trotz Protesten und Verhandlungsversuchen des Teams schikanierten die Soldaten verwundete Patienten und nahmen vier von ihnen mit, als sie das Krankenhaus einen Tag später verließen.

"Dieser Vorfall verletzt grundlegende humanitäre Prinzipien. Jeder Kranke oder Verwundete hat ein Recht auf medizinische Versorgung", sagt Philippe Havet, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Südkivu. "Wir verlangen von allen bewaffneten Gruppen, die Neutralität medizinischer Einrichtungen zu wahren und die Sicherheit von Verwundeten und medizinischem Personal zu gewährleisten. Diesen Schutz genießen unbewaffnete Kriegsteilnehmer, die verwundet sind, genauso wie jeder andere Patient."

Der Vorfall hat bereits unmittelbare negative Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, die unter dem Konflikt in Hauts-Plateaux leidet. Als sich die Lage in Katanga zuspitzte, evakuierte Ärzte ohne Grenzen das Chirurgen-Team, um die Mitarbeiter in Sicherheit zu bringen. Das Team - das einzige, das in der Region direkte medizinische Versorgung zur Verfügung stellt - musste einen verwundeten Patienten zurücklassen. Ärzte ohne Grenzen zieht die Rückkehr des Chirurgen-Teams nach Katanga zwar in Betracht, sobald die Sicherheitslage es erlaubt, aber der Vorfall wird die Wahrnehmung des Krankenhauses als sicheren und neutralen Ort nachhaltig beeinträchtigen.

In den letzten Wochen hat das Chirurgen-Team von Ärzte ohne Grenzen in Hauts Plateaux unter großen Anstrengungen versucht, den Verwundeten der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der kongolesischen Armee (FARDC), den Rebellen der Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas (FDLR) und anderen Rebellengruppen chirurgische Nothilfe zu leisten. "Viele Verwundete hatten schon vorher Angst, ins Krankenhaus zu kommen, um Hilfe zu suchen. Sie befürchteten, von bewaffneten Männern getötet zu werden", sagt Havet. "Ich fürchte, nach diesem gravierenden Vorfall werden die Menschen hier nie darauf vertrauen, dass das Krankenhaus für sie ein sicherer Ort ist, in dem sie medizinische Hilfe erhalten."

Ärzte ohne Grenzen versorgt derzeit Vertriebene im Dorf Kihuha in Hauts Plateaux medizinisch und leistet mit Gesundheitsposten und mobilen Kliniken Basisgesundheitsversorgung und Nothilfe für die Vertriebenen und ihre Gastfamilien in den Orten Kalonge und Kitutu in Südkivu. In Fizi unterstützt Ärzte ohne Grenzen mehrere Gesundheitsposten, das Baraka-Krankenhaus und ein Cholerabehandlungszentrum. In Nordkivu führt Ärzte ohne Grenzen trotz der anhaltenden Unsicherheit und Gewalt die medizinischen Programme in Rutshuru, Nyanzale, Masisi, Mewso und Kitchanga fort. 76 internationale Mitarbeiter arbeiten zusammen mit 1.144 kongolesischen Kollegen in den Projekten von Ärzte ohne Grenzen in Nord- und Südkivu.

Weitere Informationen: Lena Langbein, Christiane Winje, Tel: 030 700 130 230/240