Demokratische Republik Kongo

D.R. Kongo: Angriff auf Vertriebenencamp in Katanga - Tausende fliehen vor Gewalt - Humanitäre Helfer haben nicht überall Zugang

Berlin/Kinshasa, 2. Dezember 2005. Nach einem Angriff auf ein Vertriebenenlager im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen besorgt über die Lage der Menschen in der Provinz Katanga. Das Lager Mazwombe war am Morgen des 1. Dezembers 2005 angegriffen worden. Es liegt sieben Kilometer von der Stadt Mitwaba entfernt. Die 3.000 Bewohner mussten erneut um ihr Leben fürchten und fliehen. Ärzte ohne Grenzen ist besorgt, dass tausende Menschen dringend Hilfe benötigen. Humanitäre Organisationen werden jedoch von den Behörden daran gehindert, die Lage der Menschen zu erkunden.

"Bei dem Angriff wurden Häuser verbrannt, darunter auch das Gesundheitszentrum von Ärzte ohne Grenzen", berichtet Laurence Sailly, Notfallkoordinatorin der Organisation in der D.R. Kongo. "Ein Mensch wurde getötet, mehrere verwundet. Die Vertriebenen flohen in der Hoffnung, einen sicheren Ort zu erreichen, und müssen nun ein weiteres Kapitel ihrer Leidensgeschichte schreiben."

Ärzte ohne Grenzen ist besorgt, dass tausende Menschen dringend Hilfe benötigen. Aber ohne Zugang zu den umkämpften Gebieten ist es unmöglich, den Bedarf abzuschätzen. Zivile Behörden und die Militärverwaltung behindern humanitäre Organisationen daran, die Lage der Bevölkerung im Norden von Mitwaba und Dubie zu erkunden.

Armeeoffensiven haben seit Mitte November 2005 im Norden der Provinz Katanga erneut zur Vertreibung von Tausenden von Menschen geführt. Nach tagelangem Marsch mit Schikanen an Militär-Checkpoints sind bisher mehr als 2.000 Vertriebene in den Städten Dubie und Mutabie eingetroffen. Für die meisten ist es nicht die erste Vertreibung.

In der Gegend von Mitwaba kommt es immer wieder zu gewaltsamen Konflikten. Die angespannte Sicherheitslage zwingt die Bevölkerung, aus ihren Dörfern zu fliehen und sich teils für Monate im Busch zu verstecken. Seit Oktober 2004 haben sich mehr als 15.000 Menschen in improvisierten Vertriebenlagern in und um die Stadt niedergelassen. Sie wollen den Kämpfen zwischen der kongolesischen Armee (FARDC) und den Mai-Mai-Rebellen entkommen.

Die Organisation ist tief besorgt über die Konsequenzen der neuen Welle von Gewalt auf die Zivilbevölkerung der Region. "Obwohl die Lage sehr ernst ist, werden die Gewalt der Angriffe und die Vertreibungen weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene zur Kenntnis genommen. Es gibt allgemein viel zu wenig Hilfe für die dortige Bevölkerung," sagt Brice de le Vingne, Programmkoordinator von Ärzte ohne Grenzen für die Region der Großen Seen. "Ärzte ohne Grenzen fordert sofortigen Zugang zur notleidenden Bevölkerung." Die Organisation hat inzwischen zusätzliche Hilfsgüter und Personal in die Region entsandt.

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, Svenja Kuehnel, Tel.: 030-22 33 77 00