Demokratische Republik Kongo

D.R. Kongo: Ärzte ohne Grenzen schließt Programme im Umland von Bunia - Bericht über anhaltende Gewalt in der Provinz Ituri veröffentlicht

Berlin/Bunia, 2. August 2005. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen schließt ihre Programme außerhalb der Stadt Bunia, Provinz Ituri, in der Demokratischen Republik Kongo. Diese Entscheidung ist die Folge der Entführung zweier Mitarbeiter der Organisation Anfang Juni 2005 in der nordöstlichen Provinz Ituri. In einem am Dienstag in Genf vorgestellten Bericht von Ärzte ohne Grenzen wird das unerträgliche Maß an Gewalt angeprangert, unter dem die Bevölkerung in der Provinz Ituri weiter leidet. Zudem weist die Organisation darauf hin, dass die Menschen dort weitgehend von humanitärer Hilfe abgeschnitten sind.

Die beiden Mitarbeiter der Organisation waren am 2. Juni 2005 in der Umgebung eines Vertriebenenlagers unter sehr gewaltsamen Umständen entführt worden. Programmdirektorin Marilyn McHarg von Ärzte ohne Grenzen verurteilte die Entführung als inakzeptabel. Trotz ihrer Freilassung zehn Tage später sieht die Organisation die Bedingungen für eine Fortsetzung der Programme nicht gegeben. Die Projekte im Umland von Bunia richteten sich an mehr als 100.000 Vertriebene. Die Aktivitäten in der Stadt selbst bleiben jedoch bestehen.

Ärzte ohne Grenzen weist in dem Bericht "Nothing New in Ituri: The Violence Continues" auf ein zweifaches Versagen hin: Die Mehrheit der Zivilbevölkerung in Ituri ist der anhaltenden Gewalt schutzlos ausgeliefert und hat zudem kaum Zugang zu humanitärer Hilfe. In erster Linie sind hierfür die Hauptakteure des Konflikts verantwortlich. Trotz ihrer unbestreitbaren Bemühungen um die Region trägt aber auch die internationale Gemeinschaft Verantwortung für die Situation.

Seit Beginn des Einsatzes von Ärzte ohne Grenzen in Ituri im April 2003 haben Chirurgen ununterbrochen Kriegsopfer versorgt. Mehr als 3.500 Patienten im Alter zwischen acht Monaten und 80 Jahren wurden behandelt, nachdem sie Opfer von sexueller Gewalt geworden waren.

"Obwohl wir uns aus dem Umland von Bunia zurückziehen müssen, konzentrieren wir uns weiter darauf, der Bevölkerung Ituris Hilfe zu leisten", sagte Programmdirektorin McHarg. Ein Team von 14 internationalen und 300 nationalen Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen setzt die Arbeit im Krankenhaus Bon Marché in Bunia fort. Die Klinik war während der Gewaltwelle eingerichtet worden, die die Provinz im Jahr 2003 erfasste. Als Einrichtung für Kriegschirurgie vorgesehen, wird dort bis heute fast ausschließlich Notfallmedizin betrieben. "Jeden Tag sind die 300 Betten mit schweren Notfällen belegt", berichtete die Programmdirektorin.

Der Bericht steht als PDF zum Download zur Verfügung.

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, 030/22 33 77 00