Deutsches Institut für ärztliche Mission, BUKO Pharma-Kampagne, Ärzte ohne Grenzen und Apotheker ohne Grenzen Unentbehrliche Medikamente: Die Liste der WHO wird 25 Jahre alt - eine Erfolgsgeschichte

Berlin/Bielefeld/Tübingen/Eschborn, 15.10.2002. Am 21. Oktober wird die Liste der unentbehrlichen Medikamente (Model List of Essential Medicines) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 25 Jahre alt. Hilfsorganisationen feiern diese Liste als Instrument, das seit der ersten Veröffentlichung dazu beigetragen hat, Menschen weltweit Zugang zu lebensrettenden Arzneimitteln zu verschaffen.

APOTHEKER OHNE GRENZEN DEUTSCHLAND ist ebenso stark in bewusstseinsbildenden Maßnahmen zum Konzept der unentbehrlichen Arzneimittel involviert.

Ärzte ohne Grenzen setzt sich mit der Kampagne "Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten" seit 1999 dafür ein, die Behandlung mit lebensnotwendigen Arzneimitteln weltweit zu gewährleisten. Dabei fordert die Organisation u. a. mehr Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln gegen vernachlässigte Krankheiten wie Malaria und die Schlafkrankheit. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass in Zukunft neue Medikamente in die WHO-Liste aufgenommen werden können, die auch gegen Krankheiten in ärmeren Ländern wirksam sind.

Die DIFÄM-ARZNEIMITTELHILFE (DIFÄM-AMH) in Tübingen ist federführende Organisation bei Aktionen zu den "Leitlinien für Arzneimittelspenden", die gewährleisten sollen, dass auch gespendete Medikamente auf dem Konzept der unentbehrlichen Arzneimittel basieren. DIFÄM-AMH organisiert anlässlich des Jubiläums eine weltweite Kampagne und sammelt Kurzinformationen über die einzelnen Aktivitäten bezüglich der WHO-Liste, die Vertretern der WHO am 21. Oktober persönlich als Geburtstagspräsent überreicht werden.

Die BUKOPHARMA-KAMPAGNE in Bielefeld setzt sich seit vielen Jahren für die weltweite Anwendung des Konzeptes ein. Dabei fordert sie vor allem auch die Bereitstellung wirksamer und preisgünstiger Basismedikamente durch die deutsche Industrie. Deutschland hat - wie einige andere Industrieländer - die WHO-Liste noch immer nicht in eine nationale Liste umgesetzt. Die BUKO PHARMA-KAMPAGNE setzt sich deshalb für die Umsetzung der Positivliste in Deutschland ein, da sie die Behandlung der PatientInnen an die Standards einer rationalenTherapie annähern würde.

Deshalb setzen sich die Organisationen auch nach 25 Jahren dafür ein, dass das Konzept der unentbehrlichen Arzneimittel - das auch für Länder des Nordens Hilfestellung bietet - weiter verbreitet und umgesetzt wird. Nach Ansicht der Hilfsorganisationen ist es eine unverzichtbareVoraussetzung für eine bessere und finanzierbare Arzneimittelversorgung weltweit. Schließlich dokumentierte die WHO noch im Juni 2002, dass der Zugang zu Gesundheitsversorgung -und dazu gehört auch die Bereitstellung von Basismedikamenten zu akzeptablen Preisen - als Menschenrecht anzusehen ist.

Dennoch weisen die Hilfsorganisationen darauf hin, dass ein Drittel der Weltbevölkerung noch immer keinen Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten hat. Denn meist sind die Arzneimittel für die arme Bevölkerung nach wie vor unbezahlbar. Außerdem beeinträchtigen Naturkatastrophen, Kriege oder bankrotte Staatskassen den Aufbau einer nachhaltigen, stabilen Versorgungsstruktur in vielen Ländern, und Kommunikations- und Transportprobleme stehen einer Versorgung ländlicher Gebiete mit den notwendigen Arzneimitteln häufig im Wege.

Im April 2002 legte die WHO die zwölfte Ausgabe ihrer Modell-Liste vor, die nun 325 Wirkstoffe enthält. Neu aufgenommen wurden u.a. zwölf Präparate zur Behandlung von HIV/Aids. Dies wird von den Hilfsorganisationen als ein Durchbruch gefeiert, denn damit wird ihrer Forderung nach der Bereitstellung von kostengünstigen HIV/Aids-Medikamenten Rechnung getragen. Zudem wurde eine sehr umfangreiche und über das Internet verfügbare Datenbank aufgebaut, die wissenschaftlich gesicherte Hintergrundinformationen zu jedem dieser 325 Mittel enthält.

Die Modell-Liste wurde inzwischen zu einem weltweit anerkannten Konzept. 25 Jahre später zeigt sich, dass dieses Konzept zu einer besseren Übersicht auf dem Arzneimittelsektor geführt hat. Die meisten Länder der Welt (156 von 191) haben anhand der WHO-Liste bereits eine nationale Liste der unentbehrlichen Arzneimittel verfasst, die den aktuellen Erfordernissen kontinuierlich angepasst wird. Die Beschaffung sowie die rationale Anwendung der Medikamente wurden seitdem verbessert und die Kosten stark gesenkt. Darüber hinaus trägt die Liste dazu bei, die Ausbildung des Personals zu verbessern.

Als die WHO die Liste am 21. Oktober 1977 zum ersten Mal herausgab, beinhaltete sie 208 Wirkstoffe. Diese relativ geringe Anzahl genügte, um die meisten medikamentös behandelbaren Krankheiten weltweit zu bekämpfen. Dabei hatten klare Kriterien die Auswahl bestimmt: Die Medikamente sollten den Bedürfnissen der Bevölkerungsmehrheit entsprechen und jederzeit in ausreichender Menge und angemessener Darreichungsform sowie zu erschwinglichen Preisen erhältlich sein.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00