Demokratische Republik Kongo

Demokratische Republik Kongo:Hilfseinsatz durch Gewalt in Nord-Kivu stark beeinträchtigt

Berlin, 28. September 2007. Die gegenwärtige Serie der Gewalt in Nord-Kivu führt zu massenhaften Vertreibungen der Menschen und beeinträchtigt die humanitäre Hilfe in großem Ausmaß. Der Einsatz von Ärzte ohne Grenzen für die notleidende Bevölkerung ist an einigen Orten unmöglich geworden. Die Provinz im Norden der Demokratischen Republik Kongo ist seit Jahren Schauplatz eines Konfliktes, der immer wieder neu auflodert. Die aktuellen Gewaltausbrüche begannen Ende August und hielten im September an. Durch Kämpfe sowie Plünderungen und Übergriffe entlang der Straßen werden die Teams von Ärzte ohne Grenzen bei ihrer Arbeit behindert.

In zwei Gebieten, Nyanzale und Mweso, kam es im Juli zu einem Masernausbruch, auf den Ärzte ohne Grenzen mit einem Nothilfeinsatz reagiert hat. In Nyanzale haben die Mitarbeiter bislang 411 Kinder behandelt, 13 Kinder starben. In Mweso behandelte Ärzte ohne Grenzen 312 Kinder, fünf starben an der Infektionskrankheit. Masern gehören zu den Haupttodesursachen in ärmeren Ländern, können aber leicht durch eine Impfung vermieden werden. Eine Impfkampagne, die Ärzte ohne Grenzen für 70.000 Kinder geplant hatte, musste jedoch aufgrund der unsicheren Lage verschoben werden.

Die anhaltenden Kämpfe haben zum Ergebnis, dass tausende Menschen ihre Dörfer verlassen müssen. Seit Februar hat Ärzte ohne Grenzen in dem Gebiet um Mweso vier Gesundheitszentren unterstützt und medizinische Hilfe für zehntausende Vertriebene und die einheimische Bevölkerung geleistet. Rund 40.000 Behandlungen wurden durchgeführt, darunter waren 17.000 Malariapatienten und 440 unterernährte Kinder. Als jedoch im August die Kämpfe anfingen, mussten die meisten Menschen fliehen. Derzeit sind das Dorf Mweso und die umliegenden Vertriebenenlager nahezu verlassen. Ärzte ohne Grenzen ist sehr besorgt über die Lage und über die Tatsache, dass die Menschen nun ohne Hilfe sind.

Südlich der Stadt Masisi leben seit einigen Monaten schätzungsweise 30.000 Vertriebene in einer sehr unsicheren Region, zu der Ärzte ohne Grenzen keinen Zugang hat. Im Krankenhaus von Masisi haben Mitarbeiter am 30. August mit Behandlungen angefangen. Bereits in den ersten Tagen wurden mehr als 50 Kriegsverletzte versorgt. Die Klinik hat nun eine Kapazität von 120 Betten.

Viele Zivilisten sind zudem sexueller Gewalt ausgesetzt. Ärzte ohne Grenzen behandelt Opfer von Vergewaltigungen in Rutshuru, Nyanzale, Kayna and Mweso. Jeden Monat kommen durchschnittlich 250 Opfer in die Zentren von Ärzte ohne Grenzen. Seit der Konflikt sich wieder zugespitzt hat, ist die Zahl jedoch drastisch gestiegen. Bereits in den ersten beiden Septemberwochen haben die Mitarbeiter 260 Menschen behandelt, die sexuelle Gewalt erlitten haben. Die Situation in der Provinz Nord-Kivu bleibt unberechenbar und sehr Besorgnis erregend. Ärzte ohne Grenzen bleibt weiter vor Ort, um für die Bevölkerung Hilfe leisten zu können, wo es möglich ist.

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, 030-22337700