Angola

Demokratische Republik Kongo: Zehntausende Minenarbeiter aus Angola ausgewiesen - Ärzte ohne Grenzen verurteilt unmenschliches Vorgehen

Kinshasa/Berlin, 19. April 2004. Mindestens 20.000 kongolesische Diamantenschürfer wurden nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in der vergangenen Woche aus Angola in die D.R. Kongo ausgewiesen. In den Provinzen Bandundu und West-Kasai, im Südwesten des Landes, leistet ein Team der Organisation medizinische Hilfe für die rückkehrenden Minenarbeiter. Ärzte ohne Grenzen verurteilt das unmenschliche Vorgehen, mit dem die Arbeiter aus Angola vertrieben werden.

Die Diamantenschürfer werden bei ihrer Ausweisung brutal zusammengetrieben und in das etwa 100 Kilometer von der Grenze entfernte Lurema gebracht. Dabei werden viele Familien gewaltsam getrennt, Frauen und Männer vergewaltigt, ausgeraubt und willkürlich festgenommen. Darüber hinaus werden sie brutalen Leibesvisitationen unterzogen.

"Wenn die Menschen in der D.R. Kongo ankommen, haben sie oft alles verloren - einschließlich ihrer Familienangehörigen", erklärt Alain Decoux, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in der D.R. Kongo. "Viele befinden sich Hunderte Kilometer von ihren Heimatorten entfernt. Sie sind völlig auf Hilfe von außen angewiesen, doch die steht bisher kaum zur Verfügung."

Die Rückkehrer finden meist erbärmliche Bedingungen vor. Das Team von Ärzte ohne Grenzen stellt die Versorgung der Menschen mit sauberem Trinkwasser sicher, um den Ausbruch von Epidemien zu verhindern. Zudem wurde ein Gesundheitszentrum eingerichtet, und alle Neuankömmlinge werden medizinisch untersucht. Daneben bietet Ärzte ohne Grenzen den Menschen psychologische Betreuung an.

Schon zu Beginn des Jahres waren 25.000 Diamantenschürfer aus Angola ausgewiesen worden. Ärzte ohne Grenzen hat bereits im Februar auf ihre Situation aufmerksam gemacht und das brutale Vorgehen verurteilt. "Damals hatte die angolanische Regierung versichert, dass bei zukünftigen Ausweisungen respektvoll mit den Betroffenen umgegangen werde", so Alain Decoux. "Angesichts der jüngsten Ereignisse, muss die Regierung ihre Versprechungen endlich wahr machen."

Die Provinzen Bandundu und West-Kasai sind wie große Teile der D.R. Kongo nur schwer zugänglich, und es steht den ausgewiesenen Minenarbeitern dort bislang keine ausreichende Hilfe zur Verfügung. Ärzte ohne Grenzen ruft deshalb die angolanische sowie die kongolesische Regierung auf, ihrer Verantwortung für diese Menschen nachzukommen. Gleichzeitig werden auch andere Hilfsorganisationen um schnelle Unterstützung gebeten.

Weitere Informationen: Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00