Demokratische Republik Kongo

Demokratische Republik Kongo: Wachsende Unsicherheit behindert humanitäre Hilfe

Berlin / Genf, 25. Februar 2005. Die anhaltende Unsicherheit in der Region Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo stellt für humanitäre Helfer ein großes Hindernis dar. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen musste aufgrund von massiven Truppenbewegungen bewaffneter Gruppen am 24. Februar 2005 vorerst die Aktivitäten in den Vertriebenenlagern Iga-Barrière und Tché einstellen.

Seitdem die Kämpfe zwischen den verschiedenen bewaffneten Gruppen Anfang des Jahres wieder aufgeflammt sind, wurden Zehntausende Zivilisten vertrieben. In der Region Djugu sind zahlreiche Dörfer betroffen. Mindestens 20.000 Menschen sind nach den jüngsten Kämpfen in Ituri auf der Flucht. Die wegen des seit 1999 anhaltenden Konfliktes ohnehin schon verarmte Bevölkerung musste in den Busch fliehen und ihre wenigen Besitztümer Plünderern überlassen.

Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Nothilfe in den Vertriebenenlagern Tché und Kakwa. Hier sowie im Dorf Gina hat die Organisation damit begonnen, Kinder unter 15 Jahren gegen Masern zu impfen, um eine Epidemie zu verhindern. Berichten zufolge kommt es in den Camps zu einer großen Zahl von Gewaltakten gegen Frauen und Mädchen. Zudem gibt es dort eine hohe Zahl von mangelernährten Kindern. Für gynäkologische und chirurgische Eingriffe überweist Ärzte ohne Grenzen Patienten in das Krankenhaus der Organisation nach Bunia, der Hauptstadt von Ituri. Ärzte ohne Grenzen kümmert sich auch um bessere Wasserversorgung und Sanitäreinrichtungen.

Die Vertreibungen geschehen zu einem Zeitpunkt, an dem eigentlich die Felder bestellt werden. Wenn sich die Sicherheitslage nicht schnell verbessern, dürfte sich die Nahrungsmittelknappheit weiter verschärfen und zu schwerer Mangelernährung in der Bevölkerung führen. In bestimmten Gebieten ist bereits jetzt eines von vier Kindern mäßig oder schwer unterernährt. An die meisten Vertriebenen in den größeren provisorischen Camps wurden daher Nahrungsmittel und andere Artikel des täglichen Bedarfs verteilt. Wegen der um sich greifenden Unsicherheit scheinen sich die Menschen derzeit nicht in ihre Dörfer zurückzutrauen.

Trotz der Bemühungen zur Stabilisierung der Region sind die Menschen, die vor den Kämpfen fliehen, extremer Gewalt ausgesetzt. Es wird über zahlreiche Gräueltaten berichtet, darunter Verstümmelungen, Vergewaltigungen und Morde. Insbesondere Frauen und Kinder leiden unter der Brutalität der Konfliktparteien. Die Spannungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen haben erneut zugenommen.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit Juni 2003 im Distrikt Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo und leistet Hilfe für die Bevölkerung, die Opfer der Kämpfe zwischen den Rebellengruppen wird. Zurzeit sind 20 internationale Helfer und über 300 nationale Mitarbeiter im Krankenhaus von Bunia und in den verschiedenen mobilen Projekten im Einsatz.